Die Schweiz steht vor einer wachsenden Herausforderung im Gesundheitswesen: Ein signifikanter Mangel an Kinderärzten macht sich bemerkbar. Viele Praxen haben Schwierigkeiten, Nachfolger zu finden. Diese Situation führt dazu, dass bestehende Kinderärzte über das Pensionsalter hinaus arbeiten müssen, um die Versorgung aufrechtzuerhalten.
Wichtige Erkenntnisse
- Es fehlt zunehmend an Kinderärzten in der Schweiz.
- Der Beruf ist durch hohe Fallzahlen und Bürokratie unattraktiver geworden.
- Kinderärzte verdienen oft weniger als andere Fachärzte.
- Viele Ärzte arbeiten über 65 Jahre hinaus, da Nachfolger fehlen.
- Fordernde Eltern sind nicht das Hauptproblem, sondern strukturelle Mängel.
Die Ursachen des Kinderärztemangels
Der Mangel an Kinderärzten in der Schweiz ist ein komplexes Problem, das mehrere Faktoren umfasst. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Arbeitsbedingungen und die finanzielle Attraktivität des Berufs. Kinderärzte sehen sich mit einem hohen Arbeitsaufkommen konfrontiert, da die Anzahl der Kinder pro Praxis stetig steigt.
Hinzu kommt eine zunehmende Bürokratisierung. Ärzte verbringen immer mehr Zeit mit administrativen Aufgaben, anstatt sich auf die Behandlung ihrer jungen Patienten zu konzentrieren. Diese Entwicklung belastet das Personal zusätzlich und mindert die Freude an der eigentlichen medizinischen Arbeit.
Faktencheck
In der Schweiz arbeiten viele Kinderärzte über das gesetzliche Pensionsalter von 65 Jahren hinaus. Dies ist oft eine Notwendigkeit, da es kaum jüngere Kollegen gibt, die ihre Praxen übernehmen könnten.
Finanzielle Ungleichheit im Medizinsystem
Ein weiterer entscheidender Punkt ist die Bezahlung. Kinderärzte verdienen im Vergleich zu anderen medizinischen Fachrichtungen oft weniger. Dies macht den Beruf für junge Mediziner weniger attraktiv, die sich für eine Spezialisierung entscheiden müssen. Die Ausbildung zum Kinderarzt ist lang und anspruchsvoll, doch die anschliessende Vergütung spiegelt diesen Aufwand nicht immer wider.
Marc Sidler, seit 18 Jahren Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin in Binningen BL und Präsident des Berufsverbandes Kinderärzte Schweiz, bestätigt diese Beobachtung. Er betont, dass die finanzielle Komponente ein ernsthaftes Problem darstellt, welches junge Talente abschreckt.
"Wir sind praktisch dazu gezwungen, über das Pensionsalter hinaus zu arbeiten, weil die Nachfolge fehlt."
Auswirkungen auf Familien und Kinder
Der Mangel an Kinderärzten hat direkte Auswirkungen auf die Familien. Eltern sind zunehmend darauf angewiesen, dass ihre Kinder schnell gesund werden, um ihren Alltag mit Arbeit und anderen Verpflichtungen meistern zu können. Lange Wartezeiten oder Schwierigkeiten, überhaupt einen Termin zu bekommen, belasten Familien zusätzlich.
Dies führt oft zu einem erhöhten Druck auf die wenigen verbleibenden Kinderärzte. Die Erwartungshaltung der Eltern ist hoch, was die Arbeitsbelastung weiter steigert. Es entsteht ein Teufelskreis aus Überlastung und Unzufriedenheit auf allen Seiten.
Hintergrundinformation
Der Berufsverband Kinderärzte Schweiz setzt sich aktiv für bessere Arbeitsbedingungen und eine fairere Vergütung ein, um den Beruf wieder attraktiver zu machen. Es geht darum, strukturelle Probleme im Gesundheitssystem anzugehen, die über die individuellen Anforderungen hinausgehen.
Die Rolle der Eltern und Missverständnisse
Oft wird angenommen, dass fordernde Eltern das Hauptproblem für die Attraktivität des Berufs sind. Marc Sidler widerspricht dieser Einschätzung jedoch. Er stellt klar, dass die meisten Eltern verständnisvoll sind und die schwierige Situation der Ärzte erkennen.
Das eigentliche Problem liegt vielmehr in den strukturellen Bedingungen. Wenn Ärzte wie Kioske behandelt werden, bei denen man jederzeit eine schnelle Lösung erwarten kann, entsteht ein falsches Bild des medizinischen Berufs. Der Fokus sollte auf der Verbesserung der Arbeitsbedingungen und der Wertschätzung der pädiatrischen Arbeit liegen.
Statistik zur Gesundheit
Die Schweiz schneidet bei der Gesundheitsvorsorge im europäischen Vergleich schlecht ab. Dies hat langfristig teure Folgen für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft.
Lösungsansätze und Zukunftsperspektiven
Um dem Kinderärztemangel entgegenzuwirken, sind umfassende Massnahmen erforderlich. Dazu gehören eine **Anpassung der Vergütungsstrukturen**, um den Beruf finanziell attraktiver zu gestalten. Weiterhin ist ein **Abbau der Bürokratie** unerlässlich, damit sich Ärzte wieder stärker auf ihre Kernaufgaben konzentrieren können.
Auch die **Ausbildungskapazitäten** müssen überprüft und gegebenenfalls erweitert werden. Es braucht mehr junge Mediziner, die sich für die Pädiatrie entscheiden. Eine stärkere Wertschätzung der Kinder- und Jugendmedizin in der Öffentlichkeit und im Gesundheitssystem ist ebenfalls entscheidend.
- Bessere finanzielle Anreize schaffen
- Administrative Last reduzieren
- Ausbildung von mehr Kinderärzten fördern
- Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
- Stärkere politische Unterstützung für die Pädiatrie
Nur durch eine Kombination dieser Massnahmen kann langfristig eine ausreichende und qualitativ hochwertige kinderärztliche Versorgung in der Schweiz sichergestellt werden. Die Gesundheit unserer jüngsten Generation hängt davon ab.





