Die Schweizer Spitallandschaft erlebt eine Phase bedeutender Veränderungen. Spitäler investieren verstärkt in Forschung, optimieren ihre Leistungsangebote und passen sich den Herausforderungen des Fachkräftemangels an. Diese Entwicklungen betreffen sowohl grosse Universitätsspitäler als auch spezialisierte Kliniken im ganzen Land.
Wichtige Entwicklungen
- Schweizer Spitäler gehören zu den forschungsstärksten in Europa.
- Die Lindenhofgruppe passt ihr Leistungsangebot an und erhöht die Lohnsumme.
- Innovationen in der Augenheilkunde und Robotik schreiten voran.
- Notfallstationen im Wallis stossen an ihre Kapazitätsgrenzen.
Schweizer Spitäler als Forschungsmotoren
Die Forschungstätigkeit in europäischen Kliniken hat seit der Jahrtausendwende stark zugenommen. Patentanmeldungen haben sich in diesem Zeitraum verdreifacht. Schweizer Institutionen spielen dabei eine führende Rolle. Das Universitätsspital Zürich (USZ), das Centre Hospitalier Universitaire Vaudois (CHUV) in Lausanne und das Universitätsspital Basel (USB) zählen zu den forschungsstärksten Spitälern in Europa.
Diese Kliniken tragen massgeblich zur Entwicklung neuer medizinischer Verfahren und Therapien bei. Ihre Forschungsarbeit zieht internationale Aufmerksamkeit auf sich und stärkt den Ruf der Schweiz als Innovationsstandort im Gesundheitswesen.
Faktencheck Forschung
- Verdreifachung: Patentanmeldungen europäischer Kliniken seit 2000.
- Top-Spitäler: USZ, CHUV, USB gehören zu Europas Forschungsspitzen.
Konkrete Forschungserfolge
Ein Beispiel für diese Innovationskraft ist die Entwicklung einer selbsthaftenden künstlichen Hornhaut durch Forschende der Empa und der Universität Zürich. Dieses Projekt könnte künftig Spendergewebe ersetzen und die Behandlung von Hornhauterkrankungen revolutionieren. Solche Fortschritte zeigen das Potenzial der Schweizer Forschungslandschaft.
Auch in der Krebsforschung gibt es bedeutende Erfolge. Andreas Moor von der ETH Zürich und Inmaculada Martínez Reyes vom DKFZ/Charité Berlin erhielten den Swiss Bridge Award 2025. Sie arbeiten an zielgerichteten Krebstherapien, die von intelligenten Proteinmolekülen bis zu personalisierten Immunzellen reichen.
Anpassungen in der Spitalversorgung
Der Gesundheitssektor steht vor grossen Herausforderungen wie dem Fachkräftemangel, wirtschaftlichem Druck und neuen regulatorischen Anforderungen. Viele Kliniken reagieren darauf mit strukturellen Anpassungen, um ihre Effizienz und Attraktivität als Arbeitgeber zu sichern.
Die Lindenhofgruppe in Bern hat beispielsweise ihre Lohnmassnahmen für 2026 beschlossen. Die Lohnsumme wird um insgesamt 1 Prozent erhöht. Diese Massnahme soll die Position der Lindenhofgruppe als attraktive Arbeitgeberin im Gesundheitswesen weiter festigen.
"Eine frühzeitige Blutverdünnung nach einem Schlaganfall ist sicher und wirksam."
Urs Fischer, Chefarzt am Inselspital Bern
Fokussierung des Leistungsangebots
Ein weiterer Schritt der Lindenhofgruppe ist die Verlagerung des stationären Angebots und der Physiotherapie vom Engeriedspital an die Standorte Lindenhof und Sonnenhof. Diese Massnahme wird per Dezember 2025 umgesetzt. Die ambulanten radiologischen Leistungen bleiben jedoch am Standort Engeried erhalten. Diese Fokussierung dient der besseren Wirtschaftlichkeit und einer effizienteren Nutzung der Ressourcen.
Hintergrund: Fachkräftemangel
Der Mangel an qualifiziertem Personal ist eine der grössten Herausforderungen im Schweizer Gesundheitswesen. Spitäler wie die Lindenhofgruppe versuchen, mit attraktiven Arbeitsbedingungen und Lohnanpassungen gegenzusteuern, um Fachkräfte zu gewinnen und zu halten.
Technologische Fortschritte und neue Behandlungsmethoden
Die Integration neuer Technologien prägt das Gesundheitswesen zunehmend. Künstliche Intelligenz (KI) und Robotik versprechen, die Patientenversorgung zu verbessern und medizinische Prozesse zu optimieren.
In der Augenheilkunde sind die Entwicklungen besonders sichtbar. Die deutsche Opthalmologie-Gruppe Euroeyes hat die Augenlaser-Firma Betterview übernommen. Damit ist Euroeyes nun in sieben Schweizer Städten aktiv und bietet modernste Augenlaserbehandlungen an. Dies erhöht die Verfügbarkeit spezialisierter augenärztlicher Leistungen für Patienten in der Schweiz.
Die ETH Zürich forscht an Mikrorobotern, die Medikamente direkt ins Gehirn transportieren könnten. Diese Technologie hat das Potenzial, die Behandlung neurologischer Erkrankungen zu revolutionieren, indem sie eine präzisere und effektivere Medikamentenabgabe ermöglicht.
Potenziale der KI in der Medizin
KI findet auch Anwendung in der Diabetes-Behandlung. Eine neue Technologie ermöglicht es, Unterzuckerung anhand der Stimme zu erkennen. Mobiltelefone könnten künftig eine wichtige Rolle im Diabetes-Management spielen und Patienten helfen, ihren Blutzuckerspiegel besser zu überwachen.
Trotz dieser vielversprechenden Entwicklungen stellt die Implementierung von KI im Klinikalltag auch Herausforderungen dar. Die Integration neuer "KI-Kollegen" erfordert oft eine Anpassung der Arbeitsabläufe und eine entsprechende Einarbeitung des Personals.
Herausforderungen in der Notfallversorgung
Die Notfallstationen, insbesondere in touristischen Regionen, stehen unter grossem Druck. Im Wallis beispielsweise stossen die Notaufnahmen während der Wintersaison regelmässig an ihre Grenzen. Verletzte Skifahrer und Snowboarder, viele Touristen und Patienten mit Bagatellbeschwerden führen zu einer hohen Auslastung.
Die Spitäler im Wallis reagieren auf diese Situation mit verschiedenen Massnahmen, um die Versorgung sicherzustellen. Dazu gehören eine optimierte Personalplanung und die Sensibilisierung der Bevölkerung für die richtige Nutzung der Notfallstationen.
Notfall im Winter
- Hohe Auslastung: Notfallstationen im Wallis während der Wintersaison.
- Gründe: Wintersportverletzungen, Touristen, Bagatellbeschwerden.
Personalentwicklung und neue Leitungsfunktionen
Die Reha Schinznach hat mit Dzana Begovic eine neue Chefärztin für die internistisch-onkologische Rehabilitation ernannt. Sie wird gleichzeitig stellvertretende Direktorin Medizin. Diese Personalentscheidungen stärken die medizinische Leitung und die Spezialisierung der Reha-Einrichtungen.
Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist weiterhin hoch. Offene Stellen wie Co-Abteilungsleiter im Gebärsaal, Oberärzte im Notfallzentrum oder Dipl. Fachfrauen Operationstechnik HF zeigen den kontinuierlichen Personalbedarf in Schweizer Kliniken.





