Der Prozess um den gewaltsamen Tod des 15-jährigen Julian S. in Aesch BL hat begonnen. Matteo W. (19) steht vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz. Ihm werden vorsätzliche Tötung und mehrfache Widerhandlung gegen das Waffengesetz vorgeworfen. Das Ereignis, bei dem Julian S. im Juni 2024 nach einem Messerstich in Herz und Lunge verblutete, erschüttert die Region zutiefst.
Wichtige Punkte
- Julian S. (15) wurde im Juni 2024 in Aesch BL erstochen.
- Matteo W. (19) ist wegen vorsätzlicher Tötung und Waffenverstoss angeklagt.
- Die Verteidigung plädiert auf Notwehrexzess und fahrlässige Tötung.
- Die Familie des Opfers ist schwer traumatisiert.
- Der Tat ging ein «Konflikt unklaren Ursprungs» unter Jugendlichen voraus.
Ein tragischer Abend in Aesch
Julian S. feierte kurz vor seinem Tod seinen Schulabschluss. Voller Vorfreude blickte er seiner Lehrstelle als Maurer entgegen. Die Familie beschreibt ihn als aufgestellten, hilfsbereiten und sensiblen Jungen mit ausgeprägtem Gerechtigkeitssinn. Er war Fussballfan und spielte selbst aktiv beim FC Aesch. Seine Familie ist tief betroffen und ringt mit dem Verlust.
Die Nacht auf einen Samstag im Juni 2024 veränderte alles. Ein «Konflikt unklaren Ursprungs» unter Jugendlichen eskalierte. Matteo W. erhielt laut Anklage anonyme Anrufe, die ihn schliesslich zur Schulanlage Neumatt lockten. Dort warteten Julian S. und zwei seiner Freunde, vermummt und unbewaffnet, mit der Absicht, Matteo W. zu verprügeln.
Faktencheck
- Julian S. war ein begeisterter Fussballspieler beim FC Aesch.
- Er hatte eine Lehrstelle als Maurer in Aussicht.
- Die Eltern beschreiben ihn als beliebt und hilfsbereit.
Die Konfrontation und der tödliche Stich
Matteo W. nahm ein Einhandklappmesser mit zum Treffpunkt, um sich zu schützen, wie er angibt. Die Staatsanwaltschaft schildert zwei mögliche Szenarien des Geschehens. In der ersten Version erschien Matteo W. mit offenem Messer und ging direkt auf einen der Freunde los, der sich verstecken konnte. Julian S. stellte sich daraufhin vor Matteo W. und beleidigte ihn, worauf der tödliche Stich erfolgte.
Die zweite Version besagt, dass Julian S. und ein Freund Matteo W. verprügelten. Matteo W. versuchte, seine Angreifer zunächst an den Knien zu verletzen, bevor es zum fatalen Stich kam. Das Messer traf Herz und Lunge von Julian S., der anschliessend verblutete.
«Es war ein völlig sinnloser Gewaltakt! Julian wurden statistisch gesehen 70 Jahre seines Lebens gestohlen.»
Die Sicht der Verteidigung
Die Verteidigerin von Matteo W. plädiert auf einen Notwehrexzess. Sie argumentiert, ihr Mandant habe sich in einer Unterzahl befunden und in einer Abwehrhaltung gehandelt. Der Stich sei nicht gezielt auf den Brustkorb erfolgt, sondern sollte lediglich die Schläge stoppen. Die Verteidigerin fordert eine Verurteilung wegen fahrlässiger Tötung im Notwehrexzess, ohne ein konkretes Strafmass zu nennen.
Sie betont, dass die Initiative zum Treffen von der Gegenseite ausging. Matteo W. sei in eine Falle gelockt worden, um ihn zu verprügeln. Das Messer habe er spontan und nur zur Abschreckung mitgenommen, nicht mit der Absicht, es einzusetzen. Die Anklagepunkte, die auf vorsätzliche Tötung abzielen, seien nicht ausreichend belegt.
Hintergrund des Konflikts
Dem fatalen Treffen ging ein längerer Konflikt voraus. Matteo W. soll eine Kollegin der Jugendlichen gegen ihren Willen zu einem Kuss gezwungen haben. Dies führte zu dem Wunsch nach einem «Racheakt» seitens der Freunde von Julian S., obwohl das Mädchen selbst diesen Racheakt wohl nicht wollte.
Widersprüche und offene Fragen
Die Verteidigung versucht, die zahlreichen Vorwürfe und die widersprüchlichen Aussagen ihres Mandanten zu entkräften. Sie hinterfragt die Aussagen der Augenzeugen, etwa warum Julian S. und seine Begleiter maskiert waren, wenn sie sich nur «ein bisschen zusammen laufen» wollten. Auch die Schilderungen über das Auftauchen von Matteo W. auf dem Schulplatz variieren in den Zeugenaussagen.
Ein zentraler Punkt der Verteidigung ist die Behauptung, die vom Mandanten geschilderten Verletzungen des Angriffs seien «subjektive Verletzungen» und müssten nicht zwingend von Ärzten dokumentiert worden sein. Dies stehe nicht im Widerspruch zu den fehlenden objektiven Spuren. Die Anwältin führte zudem eine mögliche Stichbewegung vor, um zu zeigen, wie der Stich auch von oben auf Brusthöhe erfolgen konnte, während sie sich bückte.
Die Auswirkungen auf die Familie
Die Familie von Julian S. leidet schwer unter dem Verlust. Ihr Anwalt, Matthias Aeberli, beschreibt die Eltern als «völlig traumatisiert». Die Mutter leidet an einer schweren Depression und hat ihre Arbeitsstelle verloren. Der Vater hat ebenfalls ein schweres Psychotrauma erlitten und ist zu 50 Prozent arbeitsunfähig. Sie fragen sich, ob es überhaupt eine gerechte Strafe für eine solche Tat geben kann und befürchten, dass im Prozess die Zukunft des Täters mehr Beachtung findet als das Leid ihres Sohnes.
- Die Mutter verlor ihre Arbeit aufgrund schwerer Depressionen.
- Der Vater ist zu 50 Prozent arbeitsunfähig.
- Die Familie vermisst Julian S. täglich in ihren Gedanken und Gesprächen.
Der Prozess soll Klarheit in die Geschehnisse bringen und die Frage nach der Schuld und dem Strafmass klären. Für Matteo W. gilt bis zu einem rechtskräftigen Urteil die Unschuldsvermutung.





