Der Lokaljournalismus in Basel steht vor grossen Herausforderungen. Trotz einer beeindruckenden Medienvielfalt in der Region kämpfen viele Redaktionen mit wirtschaftlichem Druck und knappen Personalressourcen. Eine aktuelle Ausstellung an der Universität Basel beleuchtet die entscheidende Rolle des Lokaljournalismus für die Demokratie und zeigt gleichzeitig seine fragile Lage auf.
Wichtige Erkenntnisse
- Basel verfügt über eine vielfältige lokale Medienlandschaft, die jedoch stark unter wirtschaftlichem Druck steht.
- Ressourcenintensive Formate wie vertiefte Recherchen sind besonders gefährdet.
- Das Medienförderungspaket des Bundes wurde 2022 abgelehnt, Basel-Stadt stimmte jedoch dafür.
- Online-Medien erhalten bisher keine staatliche Förderung.
- Ein Podium an der Uni Basel diskutiert die Zukunft des Lokaljournalismus.
Die Rolle des Lokaljournalismus für die Demokratie
Die Ausstellung «Auf der Suche nach der Wahrheit. Wir und der Journalismus» in der Universitätsbibliothek Basel würdigt die Bedeutung des Lokaljournalismus. Sie betont, dass Journalismus unverzichtbar für die Meinungsbildung und die Demokratie ist. Besucher erhalten Einblicke in die Arbeit der Medienschaffenden. Die Rolle der Medien wird anhand wichtiger Schweizer Themen dargestellt.
Ein interaktiver Newsroom ermöglicht es Besuchern, selbst journalistische Kriterien anzuwenden. Sie können als Team einen eigenen Text recherchieren und publizieren. Dies vermittelt ein Gefühl für die Komplexität und Verantwortung der journalistischen Arbeit.
Hintergrund: Die Ausstellung
Die Ausstellung an der Universitätsbibliothek Basel beleuchtet nicht nur die Geschichte, sondern auch die aktuellen Herausforderungen des Lokaljournalismus. Sie zeigt chronologisch auf, welche Medien es in Basel gab und gibt. Besondere Ereignisse und Medien wie Bajour und dessen Rolle während der Covid-Pandemie werden hervorgehoben.
Wirtschaftlicher Druck auf Basels Medienlandschaft
Auf den ersten Blick wirkt die Basler Medienlandschaft beeindruckend. Viele Medien und Journalisten sind aktiv. Doch dieser Eindruck täuscht über die wirtschaftlichen Schwierigkeiten hinweg. Wie in der gesamten Schweiz steht auch der Basler Lokaljournalismus unter erheblichem Druck.
Grosse Medienhäuser finanzieren lokale Berichterstattung oft quer oder reduzieren aus Effizienzgründen das Angebot. Besonders betroffen sind Formate, die viel Zeit und Ressourcen erfordern. Dazu gehören vertiefte Recherchen, die kontinuierliche Beobachtung des politischen Geschehens und die Berichterstattung direkt vor Ort in den Quartieren.
Fakten zur Medienförderung
- Das Bundesgesetz über ein Massnahmenpaket zugunsten der Medien wurde im Februar 2022 von der Schweizer Stimmbevölkerung abgelehnt.
- In Basel-Stadt stimmten jedoch über 55 Prozent dafür, eine finanzielle Stärkung lokaler Medien zu unterstützen.
- Trotzdem gibt es in Basel bisher keine konkrete Lösung zur Förderung des Lokaljournalismus.
- Online-Medien wie Bajour, Onlinereports oder Primenews erhalten aktuell keine staatliche Förderung.
Ein Blick hinter die Kulissen: Personal in den Redaktionen
Hinter den täglichen Geschichten und der scheinbaren Vielfalt steckt eine überschaubare Zahl an Journalisten. Die Vielfalt der Medien ist zwar noch vorhanden, sie ruht aber auf personell wackeligen Beinen. Viele Redaktionen arbeiten mit kleinen Teams, die eine grosse Bandbreite an Themen abdecken müssen.
Ein Podium am Ende der Ausstellung, moderiert vom Mediensprecher der Uni Basel, Matthias Geering, diskutiert genau diese Herausforderungen. Ina Bullwinkel (Bajour), Hanna Girard (SRF Regionalredaktion Basel), Nina Jecker (Basler Zeitung) und Patrick Marcolli (bz Basel) sprechen über die Aufgaben und die Zukunft der Basler Medienlandschaft.
Personelle Ausstattung ausgewählter Basler Medien:
- Basler Zeitung (BaZ): Teil der TX Group (Tamedia). Der Verlag gibt keine genaue Auskunft über Vollzeitstellen, im Impressum sind 28 Mitarbeitende für die Basler Redaktion gelistet.
- bz – Zeitung für die Region Basel: Teil des CH Media-Verlags, mit rund 20 Vollzeitstellen in der Basler Redaktion.
- Bajour: Unabhängiges Onlinemedium mit 7,8 Vollzeitstellen.
- OnlineReports: Unabhängiges Onlinemedium mit 2,5 Vollzeitstellen, ergänzt durch unentlöhnte Kolumnisten und Ehrenamtliche.
- Primenews: Onlinemedium mit 7,6 Vollzeitstellen.
- Telebasel: Lokaler TV-Sender mit 44 Vollzeitstellen.
- Regio TV Plus: Regionaler TV-Sender mit etwa 10 bis 12 Personen im Team (keine genaue Angabe der Vollzeitstellen).
- Regionaljournal Basel (SRF): Öffentlich-rechtlicher Radiosender mit 12,2 Vollzeitstellen in der multimedialen Regionalredaktion Basel Baselland.
- Radio Basilisk: Lokaler Radiosender mit 11,33 Vollzeitstellen.
- Radio X: Privatradio mit lokalem Bezug mit 9 Vollzeitstellen, zusätzlich 120 Freiwillige.
Die Zukunft der lokalen Berichterstattung
Die Ablehnung des Medienförderungspakets auf Bundesebene hat die Situation für viele Medien verschärft. Obwohl Basel-Stadt dem Paket zustimmte, fehlt es an einer kantonalen Lösung zur finanziellen Unterstützung. Dies betrifft insbesondere unabhängige Online-Medien, die ohne staatliche Förderung auskommen müssen.
«Wir lernen gerade, dass die Demokratie weder selbstverständlich noch gratis ist. Höchste Zeit, dass wir wieder in sie investieren. Zum Beispiel in glaubwürdigen Journalismus.»
Ina Bullwinkel, Chefredaktorin Bajour
Die Diskussion um die Finanzierung und die personelle Ausstattung des Lokaljournalismus bleibt entscheidend. Eine starke lokale Medienlandschaft ist ein Grundpfeiler der direkten Demokratie und der informierten Bürgerschaft. Die Herausforderung besteht darin, innovative Wege zu finden, um diese Vielfalt auch in Zukunft zu sichern.





