Gabriel Nigon, der Präsident der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) Basel, blickt auf sein erstes halbes Amtsjahr zurück. Er äussert sich zu den Herausforderungen der Stadt, den Zielen der Partei und der Bedeutung von Eigenverantwortung. Nigon betont die Notwendigkeit, Basels Attraktivität als Wirtschafts- und Kulturstandort zu sichern und das Stadtbild zu verbessern.
Wichtige Punkte
- Gabriel Nigon leitet die LDP seit Mai dieses Jahres.
- Er strebt eine breitere Aufstellung der Partei und partizipative Arbeit an.
- Die LDP setzt sich für ein attraktiveres Stadtbild und Ordnung am Bahnhofplatz ein.
- Nigon betont die Selbstverantwortung der Bürger und kritisiert «Vergoldung» der Verwaltung.
- Der Erhalt des Roche-Baus 52 war ein wichtiges Thema für die Partei.
Ein halbes Jahr an der Spitze der LDP Basel
Gabriel Nigon übernahm im Mai dieses Jahres das Präsidium der LDP Basel von Patricia von Falkenstein. Er ist seit 2023 Mitglied des Grossen Rates und im Vorstand der Partei. Nigon, auch bekannt als ehemaliger Profi-Fechter und Anwalt, beschreibt seine neue Rolle als arbeitsintensiv, aber gleichzeitig sehr spannend. Er schätzt den Kontakt zu Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Politik, der ihm tiefere Einblicke ermöglicht.
Die Herausforderung sieht Nigon darin, die Parteiarbeit so zu gestalten, dass die LDP für künftige Aufgaben gut vorbereitet ist. Er möchte Verantwortung delegieren und die Partei breiter aufstellen. Dies soll dazu führen, dass mehr Mitglieder aktiv an der Gestaltung der Parteipolitik teilnehmen.
Zur Person
Gabriel Nigon ist 69 Jahre alt und seit Mai 2025 Präsident der LDP Basel. Er ist Anwalt und war früher als Profi-Fechter aktiv. Seine Kanzlei befindet sich direkt am Marktplatz in Basel.
Nachwuchsförderung und Ansprache junger Wähler
Die LDP legt Wert auf die Förderung des politischen Nachwuchses. Nigon vergleicht dies mit dem Spitzensport: Es gehe darum, Talente zu erkennen und sie je nach Ambition zu fördern – ob für eine Karriere in der Politik oder für ein breiteres Engagement. Unter der Leitung von Timon Sartorius arbeitet eine Kommission daran, eine breitere «Talent-Pipeline» aufzubauen.
Auch die Ansprache jüngerer Wähler ist ein zentrales Anliegen. Das Vizepräsidium mit Noëmi Crain Merz und Michael Hug ist vergleichsweise jung besetzt. Nigon, der selbst erst spät in die Politik kam, sieht darin eine Chance, die Partei zukunftsfähig zu machen. Er vertraut darauf, dass die jungen Vorstandsmitglieder wissen, wie man über soziale Medien und Messenger-Dienste jüngere Generationen erreicht. Inhaltlich möchte die LDP ihre Vision für ein attraktives und lebenswertes Basel für kommende Generationen aufzeigen.
«Ich bin mit 69 Jahren nicht mehr der Jüngste und spät in die Politik gekommen. Ich mache das sicher nicht ewig und möchte dafür sorgen, dass die Partei für die Zukunft gut aufgestellt ist.»
Gabriel Nigon, LDP-Präsident
Wirtschaftsstandort Basel und der Roche-Bau 52
Ein prägendes Ereignis des Jahres 2025 war für die LDP der Entscheid über den Roche-Bau 52. Nigon bezeichnete die Debatte um den Abriss des Gebäudes als eine «unnötige, risikobehaftete Gratwanderung». Er sah ein grosses Risiko, den Wirtschaftsstandort Basel zu gefährden, hätte man der Roche den Abriss untersagt.
Die LDP wertet den positiven Ausgang der Abstimmung als Erfolg. Michael Hug, Präsident der Bau- und Raumplanungskommission, setzte sich massgeblich für die Umsetzung des Bebauungsplans ein. Die Partei betonte die unkalkulierbaren Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort, wäre der Abriss untersagt worden.
Hintergrund zum Roche-Bau 52
Der Roche-Bau 52 war Gegenstand einer politischen Debatte, die sich um den Abriss des alten Gebäudes und die damit verbundenen Auswirkungen auf den Wirtschaftsstandort Basel drehte. Die LDP sah in einem Verbot des Abrisses eine erhebliche Gefahr für die Attraktivität des Standorts.
Wohnschutz und Pragmatismus
Ein weiteres Thema, das die Partei beschäftigte, war die Lockerung des sogenannten «Wohnschutzes». Die LDP setzte sich im Grossen Rat dafür ein, was letztlich mit Unterstützung linker Parteien bis zur GLP und EVP gelang. Nigon empfindet dies als positives Zeichen für den «gesunden Menschenverstand» in der Politik. Er grenzt die LDP von der FDP ab, indem er die Liberalen als oft pragmatischer und lösungsorientierter beschreibt.
Die LDP positioniert sich als Partei, die für liberale und freiheitliche Werte steht, aber auch eine umweltpolitische und soziale Tradition pflegt. Sie betont die Eigenverantwortung der Bürger und lehnt eine Bevormundung durch den Staat ab. Das liberale Gedankengut der Partei geht über das Wirtschaftsliberale hinaus und umfasst auch gesellschaftliche Aspekte.
Kritik an der Verwaltung und das Stadtbild
Nigon äusserte sich kritisch zur «Vergoldung» der Verwaltungsangestellten. Er sprach sich gegen die Velopauschale für Kantonsangestellte aus, da dies eine Wettbewerbsverzerrung darstelle. Seiner Meinung nach sollten die Arbeitsbedingungen in der Verwaltung nicht kontinuierlich besser werden als in der Wirtschaft, insbesondere bei KMU.
Ein grosses Anliegen ist Nigon das Basler Stadtbild. Er findet, dass es an einigen Stellen nicht schön ist. Besonders kritisiert er den Bahnhof SBB, der seiner Meinung nach für Ankommende und Pendler eine Zumutung darstellt. Er fordert eine saubere Ordnung und eine klare Verkehrsführung, um den ersten Eindruck der Stadt zu verbessern. Auch die Freie Strasse benötigt aus seiner Sicht einen «grossen Wurf» statt nur neuer Platten.
- Bahnhof SBB: Nigon fordert eine schöne, saubere Ordnung und klare Verkehrsführung.
- Freie Strasse: Er wünscht sich eine umfassendere Neugestaltung.
- Sondernutzung: Die Situation am Bahnhof, wo sich Personen auf der Allmend aufhalten, sieht er als Problem.
Gewerbe, Bildung und Eigenverantwortung
Zum Thema Gewerbe und Baustellen zeigt Nigon Verständnis. Er befürwortet die Erneuerung der Infrastruktur, da diese langfristig dem Gewerbe zugutekommt. Sollte jedoch die Existenz von Geschäften durch Baustellen bedroht sein, unterstützt er die Motion von Alex Ebi für einen Unterstützungsfonds.
Im Bildungsbereich fordert Nigon, dass andere Kantone stärker zur Finanzierung der Universität Basel beitragen. Er regt zudem eine Debatte darüber an, ob Studierende, die auf Staatskosten ausgebildet werden und danach nur Teilzeit arbeiten, ohne Betreuungsaufgaben zu haben, einen Teil der Ausbildungskosten zurückzahlen sollten.
«Es geht der LDP in erster Linie immer um Selbstverantwortung und um Verantwortung für die Gesellschaft.»
Gabriel Nigon, LDP-Präsident
Persönlich ist es Nigon wichtig, dass Basel zusammenhält und aktiv bleibt. Als ehemaliger Ausländer in Basel erwartet er von Zuwanderern, dass sie sich einbringen und eine Gegenleistung erbringen, anstatt nur die Vorteile des Rechts- und Sozialstaates auszunutzen. Er weist darauf hin, dass etwa ein Drittel der Menschen in Basel keine Steuern zahlt. Dies sieht er als Problem, das mit dem Vergleich zum Spitzensport verdeutlicht wird: Man kann nicht erwarten, erfolgreich zu sein, ohne sich anzustrengen.





