Entscheidung am 30. November
In der Gemeinde Riehen spitzt sich die politische Lage zu. Nachdem im ersten Wahlgang fünf von sieben Sitzen im Gemeinderat besetzt werden konnten, steht am 30. November die Entscheidung über die verbleibenden zwei Mandate an. Vier Kandidierende aus drei verschiedenen Parteien treten an, um die Exekutive zu komplettieren. Die Ausgangslage verspricht einen spannenden zweiten Wahlgang.
Das Wichtigste in Kürze
- Am 30. November findet der zweite Wahlgang für den Gemeinderat Riehen statt.
- Zwei von sieben Sitzen sind noch unbesetzt.
- Vier Kandidaten von SVP, SP und GLP bewerben sich um die verbleibenden Mandate.
- Felix Wehrli (SVP) kämpft um seine Wiederwahl, während die SP den Sitz des zurücktretenden Guido Vogel verteidigen will.
Die Ausgangslage nach dem ersten Wahlgang
Der erste Wahlgang brachte für fünf amtierende Gemeinderatsmitglieder die Bestätigung im Amt. Die Stimmbevölkerung wählte Christine Kaufmann (EVP), Patrick Huber (Mitte), Silvia Schweizer (FDP), Daniel Hettich (LDP) und Stefan Suter (SVP) erneut in die Exekutive. Patrick Huber von der Mitte-Partei erzielte mit 3359 Stimmen das beste Resultat aller Kandidierenden.
Zwei Sitze blieben jedoch unbesetzt. Der bisherige SVP-Gemeinderat Felix Wehrli verpasste das absolute Mehr knapp um 111 Stimmen. Ebenfalls neu zu besetzen ist der Sitz von Guido Vogel (SP), der nicht mehr zur Wahl antrat. Die SP schickt mit Martin Leschhorn und Anna Verena Baumgartner gleich zwei Personen ins Rennen, um diesen Sitz zu verteidigen.
Wer bereits gewählt ist
Die fünf bereits wiedergewählten Mitglieder des Riehener Gemeinderats sind:
- Christine Kaufmann (EVP): 3217 Stimmen
- Patrick Huber (Mitte): 3359 Stimmen
- Silvia Schweizer (FDP): 3043 Stimmen
- Daniel Hettich (LDP): 3309 Stimmen
- Stefan Suter (SVP): 2841 Stimmen
Die Kandidaten im Fokus
Für die verbleibenden zwei Sitze kandidieren vier Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Profilen und politischen Schwerpunkten. Ihre Ergebnisse aus dem ersten Wahlgang zeichnen ein enges Rennen ab.
Felix Wehrli (SVP) will Sitz verteidigen
Felix Wehrli, der amtierende Gemeinderat der SVP, erreichte im ersten Durchgang 2708 Stimmen. Der 64-jährige pensionierte Polizist ist seit 2018 in der Gemeindeexekutive und dort für die Werksdienste zuständig. Im Grossen Rat des Kantons Basel-Stadt politisiert er seit 2017 und konzentriert sich dort auf die SVP-Kernthemen Sicherheit und Migration. Für seine Wiederwahl erhält er Unterstützung von der bürgerlichen Allianz, die den zweiten SVP-Sitz in Riehen sichern will.
Das SP-Duo im internen Wettbewerb
Die Sozialdemokratische Partei will den freiwerdenden Sitz von Guido Vogel unbedingt halten. Dafür treten zwei Kandidaten an, deren Resultate im ersten Wahlgang äusserst knapp ausfielen.
Martin Leschhorn, 56, erhielt 2060 Stimmen. Er ist seit 2014 im Einwohnerrat von Riehen aktiv und war 2022 dessen Präsident. Der Geschäftsführer des Gesundheitsnetzwerks Medicus Mundi gilt als erfahrener Lokalpolitiker und wurde vor der Wahl als Favorit für die Nachfolge Vogels gehandelt.
Überraschend dicht auf den Fersen ist ihm Anna Verena Baumgartner (Juso/SP) mit 2034 Stimmen – ein Unterschied von nur 26 Stimmen. Die 26-jährige Fachfrau Betreuung ist die jüngste Kandidatin im Feld. Mit ihrer Kandidatur will die SP auch junge Wählerinnen und Wähler ansprechen und neue Perspektiven in die Exekutive einbringen.
Ein Kopf-an-Kopf-Rennen
Nur 26 Stimmen trennten die beiden SP-Kandidaten Martin Leschhorn und Anna Verena Baumgartner im ersten Wahlgang. Dies deutet auf eine hohe Mobilisierung beider Lager innerhalb der Partei hin und macht den Ausgang für den SP-Sitz besonders unvorhersehbar.
Serge Meyer (GLP) als Aussenseiter
Der vierte Kandidat ist Serge Meyer von den Grünliberalen. Er erzielte im ersten Wahlgang 1768 Stimmen. Der 60-jährige CEO eines IT-Dienstleistungsunternehmens und neu gewählte Kantonalpräsident der GLP hofft auf einen Überraschungserfolg. Seine Chance könnte darin liegen, dass die bürgerlichen Wähler, die für Wehrli mobilisiert werden, ihm als zweite Stimme den Vorzug vor den SP-Kandidaten geben könnten. Mit seiner Kandidatur hat er bereits den Einzug in den Einwohnerrat, das Parlament von Riehen, geschafft.
Mögliche Szenarien für den zweiten Wahlgang
Die Konstellation lässt verschiedene Ausgänge zu. Als wahrscheinlich gilt die Wiederwahl von Felix Wehrli, da er im ersten Wahlgang die meisten Stimmen der vier verbliebenen Kandidaten erhielt und auf die Unterstützung des bürgerlichen Lagers zählen kann.
Spannender ist die Frage, wer den zweiten Sitz erringt. Hier kommt es voraussichtlich zu einem Duell zwischen den beiden SP-Kandidaten. Ob die Erfahrung von Martin Leschhorn oder der Jugendbonus von Anna Verena Baumgartner am Ende den Ausschlag gibt, ist offen. Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, dass Serge Meyer als lachender Dritter profitiert, falls sich die Stimmen im linken Lager zu stark aufteilen und er gleichzeitig bürgerliche Panaschierstimmen erhält.
Die Stimmbeteiligung wird eine entscheidende Rolle spielen. Die Parteien sind nun gefordert, ihre Wählerschaft für den entscheidenden Urnengang am 30. November noch einmal zu mobilisieren. Das Ergebnis wird die politische Zusammensetzung des Riehener Gemeinderats für die kommende Legislaturperiode endgültig festlegen.





