Die Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft starten eine neue Initiative, um Opfer von häuslicher Gewalt besser zu unterstützen. Apothekenmitarbeitende werden künftig speziell geschult, um Anzeichen von Partnerschaftsgewalt zu erkennen und Betroffenen diskret Hilfe zu vermitteln. Ein neues E-Learning-Programm soll sie auf diese sensible Aufgabe vorbereiten.
Apotheken gelten als vertrauensvolle und niederschwellige Orte im Gesundheitswesen. Viele Menschen suchen sie regelmässig auf und pflegen ein persönliches Verhältnis zum Personal. Genau diese Vertrauensbasis soll nun genutzt werden, um ein oft tabuisiertes Thema anzusprechen und Betroffenen einen sicheren Weg zu professioneller Unterstützung zu ebnen.
Ein Gütesiegel für geschulte Apotheken
Das Herzstück der Initiative ist eine neue Online-Weiterbildung mit dem Titel «Partnerschaftsgewalt». Ab März 2026 steht dieses E-Learning-Programm den Mitarbeitenden von Apotheken in beiden Basel zur Verfügung. Ziel ist es, ihnen das nötige Wissen zu vermitteln, um in Verdachtsfällen angemessen, sensibel und verantwortungsvoll handeln zu können.
Apotheken, deren Personal die Schulung erfolgreich absolviert, erhalten ein offizielles Gütesiegel. Dieses Zertifikat kann gut sichtbar, beispielsweise an der Eingangstür oder im Schaufenster, angebracht werden. Für Kundinnen und Kunden signalisiert das Siegel, dass sie hier auf geschultes Personal treffen, das über spezifisches Wissen im Umgang mit dem Thema Partnerschaftsgewalt verfügt.
Warum Apotheken?
Apotheken sind oft die erste Anlaufstelle bei gesundheitlichen Problemen. Sie sind leicht erreichbar, haben lange Öffnungszeiten und die Beratung ist vertraulich. Diese Eigenschaften machen sie zu idealen Partnern im Netzwerk gegen häusliche Gewalt. Betroffene können hier in einem geschützten Rahmen erste Informationen erhalten, ohne sofort eine offizielle Beratungsstelle aufsuchen zu müssen.
Was lernen die Teilnehmenden?
Die Weiterbildung ist praxisnah konzipiert und deckt mehrere wichtige Bereiche ab. Die Teilnehmenden lernen, die oft subtilen Anzeichen von häuslicher Gewalt zu erkennen. Darüber hinaus vermittelt der Kurs ein tiefgehendes Verständnis für die Dynamiken und Mechanismen, die hinter Gewalt in Partnerschaften stecken.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der rechtlichen Situation in der Schweiz sowie auf den konkreten Hilfsangeboten in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft. Das Personal wird darauf vorbereitet, Betroffene kompetent an die richtigen Fachstellen und Opferhilfeorganisationen zu verweisen.
Kantonale Unterstützung und Zusammenarbeit
Die Kantone Basel-Landschaft und Basel-Stadt unterstreichen die Bedeutung der Initiative durch finanzielle Unterstützung. Sie sehen die Schulung von Fachpersonen im erweiterten Gesundheitsbereich als einen zentralen Baustein in der Prävention und Bekämpfung von häuslicher Gewalt.
Um einen Anreiz für eine schnelle Teilnahme zu schaffen, werden die Kosten für die ersten Anmeldungen übernommen:
- Basel-Landschaft: Übernimmt die Kosten für die ersten 50 Anmeldungen.
- Basel-Stadt: Übernimmt die Kosten für die ersten 70 Anmeldungen.
Dieses Angebot gilt für Fachpersonen, die sich innerhalb der nächsten zwölf Monate für das E-Learning-Programm registrieren. Die Kontingente wurden entsprechend der Anzahl der Mitgliedsapotheken in den jeweiligen Kantonen festgelegt.
Ein bewährtes Konzept
Das E-Learning-Modul wurde ursprünglich vom Gleichstellungsbüro des Kantons Waadt und der Waadtländer Kantonsapotheke entwickelt. Für den Einsatz in der Region wurde es von der Interventionsstelle gegen häusliche Gewalt Basel-Landschaft und der Fachstelle Gewaltschutz und Opferhilfe Basel-Stadt an die spezifischen Strukturen der beiden Basel angepasst.
Ein breites Bündnis für den Gewaltschutz
Das Projekt ist das Ergebnis einer umfassenden Zusammenarbeit. Realisiert wurde es gemeinsam von den Apothekerverbänden beider Kantone, der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion Basel-Landschaft sowie dem Gesundheitsdepartement Basel-Stadt. Diese breite Allianz zeigt, wie wichtig das Thema genommen wird und dass ein vernetzter Ansatz als Schlüssel zum Erfolg gesehen wird.
Durch die Schulung wird das Apothekenpersonal zu einem wichtigen Bindeglied im Hilfsnetzwerk. Sie können eine Brücke bauen zwischen den Betroffenen, die sich oft isoliert fühlen, und den professionellen Stellen, die gezielte Unterstützung bieten können. Das Gütesiegel schafft dabei Transparenz und Vertrauen und macht die Apotheken zu sichtbaren und sicheren Anlaufpunkten im Kampf gegen häusliche Gewalt.





