Das Männerwohnhaus in Basel ist für Dutzende Männer, die aus verschiedenen Gründen nicht alleine leben können, zu einem Zuhause geworden. Seit 120 Jahren bietet die Heilsarmee an zentraler Lage am Rhein in Basel Unterstützung und eine Bleibe für Menschen in Not.
Wichtige Punkte
- Das Männerwohnhaus Basel wird von der Heilsarmee betrieben und existiert seit 120 Jahren.
- Es bietet aktuell 44 Plätze für Männer in schwierigen Lebenslagen.
- Bewohner erhalten dreimal täglich frische Mahlzeiten und Unterstützung im Alltag.
- Ausschlusskriterien umfassen akute Sucht, psychische Probleme oder Gewaltbereitschaft.
- Die Finanzierung erfolgt über Heimtarife der Sozialhilfe oder IV-Renten, ergänzt durch Spenden.
Ein Zuhause für Menschen in Not
Franzl, ein 76-jähriger Österreicher, lebt seit 14 Jahren im Männerwohnhaus. Er schätzt die Unterstützung und die Gemeinschaft. Als ehemaliger internationaler Berufsmusiker verlor er sein Vermögen und seine Gesundheit, was ihn in eine schwierige Lage brachte. Er kann weder kochen noch putzen und ist auf Hilfe angewiesen.
Seine Situation ist typisch für viele Bewohner. Zahlreiche Männer im Haus können aufgrund psychischer, physischer oder sozialer Beeinträchtigungen keinen eigenen Haushalt führen. Die Einrichtung bietet ihnen einen sicheren Ort und die Möglichkeit, wieder Fuss zu fassen.
Faktencheck
- Das Männerwohnhaus wurde vor 120 Jahren von der Heilsarmee erworben.
- Es befindet sich an einer attraktiven Lage direkt am Rhein in Basel.
- Bei der Gründung im Jahr 1906 hatte es 100 Plätze.
- Heute stehen 44 Plätze zur Verfügung, wovon 39 belegt sind.
Betreuung und Kapazitäten
Thomas Baumgartner, Gesamtleiter Wohnen und Begleiten der Heilsarmee Basel, beschreibt die Entwicklung der Einrichtung. Ursprünglich, im Gründungsjahr 1906, gab es 100 Plätze, oft in Mehrbettzimmern. Heute sind die Kapazitäten angepasst.
Von den 44 aktuellen Plätzen sind 39 belegt. Zehn Männer profitieren von einem Einzelzimmer, die anderen teilen sich Zweierzimmer. Duschen und Toiletten befinden sich auf den Etagen.
"Bei seiner Gründung im Jahre 1906 verfügte das Männerwohnhaus über 100 Plätze. Es gab 13er und 5er Zimmer", erklärt Thomas Baumgartner die Geschichte. "Aktuell verfügen wir über 44 Plätze, davon sind 39 besetzt."
Kurz- und Langzeitaufenthalte
Einige Bewohner bleiben nur kurz im Männerwohnhaus, bis sich ihre persönliche Situation stabilisiert hat. Sie haben beispielsweise ihre Wohnung verloren und erhalten hier Unterstützung, um wieder auf die Beine zu kommen. Andere Männer bleiben über Jahre.
Der längste dokumentierte Aufenthalt beträgt 35 Jahre. Das Alter der Bewohner liegt zwischen 23 und 81 Jahren. Die Verteilung der Nationalitäten entspricht in etwa der Bevölkerung im Kleinbasel.
Hintergrund der Heilsarmee
Die Heilsarmee ist eine internationale Bewegung, die in 133 Ländern tätig ist. Sie ist eine evangelische Freikirche und eine soziale Organisation, die sich der Hilfe für Bedürftige verschrieben hat. Ihre Arbeit umfasst Obdachlosenhilfe, Katastrophenhilfe, Suchtberatung und vieles mehr. In Basel leistet sie mit dem Männerwohnhaus einen wichtigen Beitrag zur sozialen Unterstützung.
Verpflegung und Hausregeln
Im Männerwohnhaus können die Bewohner nicht selbst kochen. Die hauseigene Küche bietet jedoch dreimal täglich frisch zubereitete Mahlzeiten an. Thomas Baumgartner stellt fest, dass die Männer nach dem Einzug oft an Gewicht zunehmen, was er als Zeichen der Zufriedenheit mit dem Essen wertet.
Besonders wichtig sei, dass es regelmässig Fleisch auf dem Speiseplan gibt. Das trage massgeblich zur Zufriedenheit der Bewohner bei, so Baumgartner.
Wissenswertes zum Alltag
- Die Küche serviert dreimal täglich frische Mahlzeiten.
- Ein grosser Gemeinschaftsraum mit Fernseher steht den Bewohnern zur Verfügung.
- Frauenbesuche sind tagsüber erlaubt, müssen aber kurz an- und abgemeldet werden.
- Die Männer können das Haus jederzeit mit einem Badge betreten und verlassen.
Zugang und Ausschlusskriterien
Um im Männerwohnhaus aufgenommen zu werden, ist eine Kostengutsprache der Sozialhilfe erforderlich. Alternativ kann die Finanzierung über eine IV-Rente inklusive Ergänzungsleistungen gesichert werden. Ein persönliches Gespräch klärt die Eignung des potenziellen Bewohners.
Es gibt klare Ausschlusskriterien: akute Suchterkrankungen, akute psychische Probleme oder die Ausübung von Gewalt führen zu einer Ablehnung. Im Haus selbst ist der Konsum von Alkohol strikt untersagt.
Konsequenzen bei Regelverstössen
Wer sich nicht an die Hausordnung hält, erhält zunächst eine mündliche Verwarnung. Bei wiederholtem Fehlverhalten folgt eine schriftliche Verwarnung. Im nächsten Schritt kann ein "Time-Out" ausgesprochen werden.
Ein Time-Out bedeutet, dass der Bewohner das Haus für eine bestimmte Zeit, zum Beispiel eine Woche, nicht betreten darf. In solchen Fällen erhält er eine Kostengutsprache für eine Notschlafstelle sowie ein kleines Taschengeld für die Verpflegung.
Bei wiederholten und gravierenden Verstössen kann es zur Kündigung kommen. Dies muss der Behindertenhilfe gemeldet werden. Im vergangenen Jahr war eine solche Sanktion jedoch nicht notwendig. Es gab lediglich eine Gefährdungsmeldung, die eine Prüfung durch die KESB nach sich zog.
Gemeinschaft und externe Unterstützung
Obwohl es ein Männerhaus ist, sind Frauenbesuche tagsüber erlaubt. Eine kurze An- und Abmeldung hilft dem Personal, den Überblick zu behalten. Die Bewohner haben durch einen Badge jederzeit Zugang zum Haus, ohne zeitliche Beschränkungen.
Keiner der Bewohner arbeitet auf dem ersten Arbeitsmarkt. Eine Mitarbeit in der Küche oder Hauswirtschaft des Männerwohnhauses ist jedoch möglich. Diese Tätigkeiten werden finanziell geringfügig entschädigt, vergleichbar mit einer Anerkennungsprämie im zweiten Arbeitsmarkt.
Thomas Baumgartner betont die gute Verankerung des Männerwohnhauses in der Basler Bevölkerung. Viele Menschen unterstützen die Einrichtung mit Kleider- und Finanzspenden. Es werden sogar Socken für die Bewohner gestrickt, was die starke Gemeinschaft und den Rückhalt in der Region unterstreicht.





