An der Clarastrasse hat ein neues Café eröffnet, das mehr als nur Kaffee und Kuchen anbietet. Das „Einzigartig“ setzt auf ein inklusives Konzept, bei dem Menschen mit und ohne Behinderung zusammenarbeiten. Nach einer langen und herausfordernden Umbauphase startet der Betrieb nun schrittweise, mit dem Ziel, Inklusion im Alltag zur Selbstverständlichkeit zu machen.
Der Sprung vom beschaulichen Arlesheim in die belebte Basler Innenstadt markiert für Geschäftsleiter Tobias Seewer und sein Team einen wichtigen Meilenstein. Der Start erfolgt bewusst zurückhaltend, um dem Team Zeit zu geben, sich an die neue Umgebung zu gewöhnen und die Abläufe zu optimieren.
Das Wichtigste in Kürze
- Das inklusive Café Einzigartig hat seinen neuen Standort an der Clarastrasse in Basel eröffnet.
- Der Betrieb startet in einer ersten Phase mit einem reduzierten Angebot an Getränken und Gebäck.
- Das Konzept der „umgekehrten Inklusion“ macht den barrierefreien Zugang zum Standard.
- Für die Zukunft sind ein grösseres Essensangebot, ein Take-away-Fenster und Aussensitzplätze geplant.
Ein sanfter Start nach turbulentem Umbau
Wer am Freitag das neue Lokal an der Clarastrasse betritt, findet eine einladende Atmosphäre vor. Doch der Weg bis zur Eröffnung war steinig. Das Team des „Einzigartig“ hat in den letzten Monaten nicht nur finanzielle Hürden, sondern auch Rückschläge wie einen Wasserschaden und den Diebstahl der Spendekasse bewältigen müssen. Viele der Umbauarbeiten wurden in Eigenleistung erbracht.
„Wir fangen Schritt für Schritt an, schauen, was funktioniert, und kommen langsam an“, erklärt Geschäftsleiter Tobias Seewer die Strategie der sanften Eröffnung. Eine grosse Feier gab es bewusst nicht. Stattdessen konzentriert man sich auf das Wesentliche: einen reibungslosen Ablauf und ein zufriedenes Team.
In dieser ersten Phase liegt der Fokus auf dem Getränkeangebot. Eine eigene Kaffeemischung, zubereitet als Espresso oder Filterkaffee, stammt von den regional bekannten „Kaffeemacher*innen“. Dazu gibt es eine Auswahl an Tees, Limonaden sowie Gebäck, Quiches und Linzertorten, die vom Speisehaus und dem Wydenhöfli in Arlesheim geliefert werden. Die Küche im neuen Café ist noch nicht betriebsbereit – für den Ausbau fehlen derzeit die finanziellen Mittel.
Design mit Geschichte und Herz
Die Einrichtung des Cafés ist ein Zeugnis von Kreativität und Nachhaltigkeit. Fast jedes Möbelstück erzählt eine eigene Geschichte. Die massiven Stahlbeine der Bartische im Eingangsbereich dienten früher als Rohre in der Thomy-Senffabrik auf dem Franck-Areal. Die Theke ist mit Glasbausteinen aus einem Zürcher Abbruchhaus verkleidet und wird von einer Mahagoniholzplatte gekrönt, die rund 70 Jahre ungenutzt lagerte.
Ein besonderes Highlight ist eine Wand gegenüber der Bar. Sie wurde vom gesamten Team gemeinsam gestaltet und besteht aus Lehmboden aus Seewen, vermischt mit Kaffeesatz aus dem bisherigen Betrieb in Arlesheim – ein Symbol für die Verbindung von Alt und Neu.
Diese Details schaffen eine helle und moderne Atmosphäre, die zum Verweilen einlädt. Im hinteren Bereich des Cafés gibt es zudem eine Spielecke für Kinder und grosse Holztische, die Gruppen Platz bieten.
Inklusion als zentrales Element
Das Herzstück des Konzepts ist die gelebte Inklusion. Dies wird bereits am Eingang deutlich. Eine breite Rampe führt prominent ins Zentrum des Raumes und stellt den Hauptweg dar. Der alternative Weg über einige Stufen ist bewusst schmaler gehalten.
„Hier machen wir unser Konzept der umgekehrten Inklusion deutlich“, so Seewer. Der barrierefreie Weg ist der normale Weg, nicht die Ausnahme. Damit soll ein selbstverständlicher Umgang mit dem Thema gefördert werden.
Auch die Arbeitsabläufe sind auf die Bedürfnisse der Mitarbeitenden zugeschnitten. Ein spezieller Milchaufschäumer erleichtert die Zubereitung von Cappuccino für Personen mit körperlichen Einschränkungen. Schubladen und Schränke sind mit Symbolen beklebt, sodass auch Mitarbeitende, die nicht lesen können, sich mühelos orientieren können.
Was ist „umgekehrte Inklusion“?
Bei der umgekehrten Inklusion werden Umgebungen so gestaltet, dass die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen den Standard definieren. Statt separate Lösungen zu schaffen (z. B. eine Nebeneingangs-Rampe), wird die barrierefreie Option zur primären und selbstverständlichen Lösung für alle. Dies fördert Gleichberechtigung und baut unbewusste Barrieren ab.
Blick in die Zukunft: Grosse Pläne für Phase 2
Wenn sich die Abläufe eingespielt haben und die Finanzierung gesichert ist, soll die zweite Phase starten. Die Pläne dafür sind ambitioniert. Im Mittelpunkt steht der Ausbau der Küche, um ein vollwertiges Essensangebot zu ermöglichen. Dafür konnte bereits der Sous-Chef von Spitzenköchin Tanja Grandits gewonnen werden.
Weitere geplante Schritte sind:
- Take-away-Fenster: Für einen schnellen Kaffeeverkauf direkt auf die Strasse.
- Boulevardgastronomie: Bereits im Sommer sollen Tische und Stühle vor dem Café aufgestellt werden.
- Erweitertes Menü: Mit der neuen Küche wird das kulinarische Angebot deutlich ausgebaut.
Tobias Seewer ist gespannt, wie das Konzept in der Stadt angenommen wird. Er erwartet eine andere und voraussichtlich grössere Kundschaft als in Arlesheim. Erste Reservationsanfragen für die Fasnacht und kommende Messen zeigen bereits das grosse Interesse. Mit dem Entfernen der Sichtschutzfolien an den grossen Fenstern wird das Café Einzigartig nun endgültig ein sichtbarer Teil des Quartierlebens an der Clarastrasse.





