In Füllinsdorf im Kanton Basel-Landschaft wurde ein neuer Standplatz für fahrende Familien eingeweiht. Zehn jenische Familien können dort bis ins Jahr 2029 leben. Die Eröffnung markiert einen wichtigen Schritt für die Gemeinschaft der Fahrenden in der Region.
Wichtige Punkte
- Neuer Standplatz für zehn jenische Familien in Füllinsdorf BL.
- Nutzungsdauer des Platzes ist bis 2029 befristet.
- Der Platz entstand ohne öffentliche Proteste.
- Bundesvorgaben fordern genügend Stand- und Durchgangsplätze.
Ein Zuhause auf Zeit in Füllinsdorf
Die Freude über den neuen Standplatz ist bei den Familien gross. Eine Bewohnerin, C. Gerzner, äusserte sich sehr positiv über die neue Umgebung. Sie schätzt die ruhige Lage mit Blick auf Weiden und den Duft einer nahegelegenen Läckerlifabrik.
Der offizielle Einweihungsakt fand kürzlich statt. Kinder spielten auf dem Areal, während Glühwein und Gebäck von den Mietern für die Gäste bereitstanden. Die Atmosphäre war entspannt und einladend.
Die Familien dürfen die Reservefläche in Füllinsdorf für fünf Jahre nutzen. Diese temporäre Lösung bietet ihnen Stabilität und eine feste Anlaufstelle für die kommenden Jahre.
Faktencheck
- Rund 2000 bis 3000 Jenische, Sinti und Roma leben in der Schweiz als Fahrende.
- Die Kantone müssen ihnen laut Bundesvorgaben genügend Stand- und Durchgangsplätze bereitstellen.
- Der Baselbiet suchte seit 2019 nach einem geeigneten, längerfristigen Standort.
Moderne Infrastruktur und feste Adressen
Die neuen Häuschen in Füllinsdorf sind modern ausgestattet. Sie verfügen über eine Zentralheizung und sind ordentlich aufgereiht. Dies ist ein deutlicher Unterschied zu früheren Zeiten, in denen die Familien noch in pferdegezogenen Holzwagen unterwegs waren.
Daniel Gerzner, ein weiterer Bewohner des Platzes, hob hervor, dass dies der erste Standplatz in der Schweiz sei, der ohne Demonstrationen oder Widerstände der Bevölkerung entstanden ist. Er drückte seine Dankbarkeit gegenüber der Gemeinde und dem Kanton aus.
«Das erste Mal in meinem Leben habe ich jetzt eine feste Adresse im Ausweis stehen. Früher wurde ich bei Kontrollen immer geplagt, jetzt nicht mehr. Wie schön ist das.»
Diese feste Adresse erleichtert den Alltag erheblich, insbesondere bei behördlichen Kontrollen. Es ist ein wichtiger Schritt in Richtung mehr Anerkennung und Normalität für die Gemeinschaft der Fahrenden.
Bildung und Vorurteile im Alltag
Die Familien verbringen die Zeit zwischen Herbst- und Winterferien auf dem Standplatz. In dieser Periode besuchen die vier Kinder, die auf dem Areal wohnen, die lokale Schule in Füllinsdorf. Dies ermöglicht ihnen eine regelmässige Schulbildung.
Während der restlichen Jahreszeit sind die Familien mit ihren Wohnwagen in der Schweiz unterwegs. Die Kinder erledigen ihre Schulaufgaben dann selbstständig, angepasst an die Reisebedingungen und wechselnden Stellplätze.
Daniel Gerzner sprach auch die Vorurteile an, mit denen Fahrende oft konfrontiert sind. Es gebe viele falsche Annahmen über ihre Lebensweise, zum Beispiel, dass sie unsauber seien oder stehlen würden.
Hintergrundinformationen
Die Jenischen sind eine eigenständige Volksgruppe mit langer Tradition in Europa. Ihre Kultur ist eng mit der fahrenden Lebensweise verbunden. In der Schweiz sind sie als nationale Minderheit anerkannt.
Das Zusammenleben von sesshaften und fahrenden Gemeinschaften erfordert gegenseitiges Verständnis und die Bereitstellung geeigneter Infrastruktur.
Er betonte, dass der Kontakt zwischen den Kulturen oft zu einem besseren Verständnis führt. Wenn Kinder der Fahrenden in die Schule gehen und mit sesshaften Kindern in Kontakt kommen, merken beide Seiten, dass sie ganz normale Menschen sind.
Die Familien zahlen auf dem Standplatz normale Miete, Steuern und AHV-Beiträge. Sie möchten keine Sonderbehandlung, sondern lediglich die Möglichkeit, ihre Lebensweise zu pflegen.
Zusammenarbeit und Zukunftsperspektiven
Nach anfänglichen Schwierigkeiten funktionierte die Zusammenarbeit mit dem Kanton und der Gemeinde Füllinsdorf gut. Dies führte zu dem positiven Ergebnis des neuen Standplatzes.
Christoph Keigel, der Gemeindepräsident von Füllinsdorf, hiess die neuen Bewohner herzlich willkommen. Er wünschte ihnen ein gutes Ankommen in der Gemeinde. Die Gemeinde freut sich auf das Zusammenleben.
Die Hoffnung ist, dass andere Kantone dem Beispiel von Füllinsdorf folgen und ebenfalls die vorgeschriebenen Standplätze bereitstellen. Die Liste der Personen, die einen Platz suchen, ist lang. Viele Menschen leben deswegen auf der Strasse, so Gerzner.
Es zeigt sich, dass eine gute Zusammenarbeit zwischen Behörden und der Gemeinschaft der Fahrenden zu fairen und nachhaltigen Lösungen führen kann. Der Standplatz in Füllinsdorf ist ein positives Beispiel dafür.





