In der Basler Innenstadt sorgen aufgeklebte «Remigration»-Sticker auf Plakaten einer Kampagne gegen Gewalt an Frauen für Empörung. Die Plakate der Organisation «Beide Basel gegen Gewalt an Frauen» wurden in den letzten Tagen an mehreren Standorten mit dem von rechtsextremen Gruppen verwendeten Begriff überklebt. Dieser Vorfall wirft Fragen zur Instrumentalisierung wichtiger gesellschaftlicher Themen auf.
Wichtige Punkte
- Plakate gegen Gewalt an Frauen in Basel und Burgdorf BE mit «Remigration»-Stickern überklebt.
- «Remigration» ist ein Begriff, der von rechtsextremen Gruppierungen verwendet wird.
- Die Organisation Opferhilfe Basel distanziert sich klar von den Stickern und betont, dass Gewalt keine Nationalität kennt.
- Politikerinnen und Experten verurteilen die Aktion als bewussten Sabotageversuch und rassistische Hetze.
- Gewalt an Frauen betrifft alle gesellschaftlichen Schichten, unabhängig von der Herkunft der Täter.
Empörung über Sticker in Basel
Die Infoplakate der Organisation «Beide Basel gegen Gewalt an Frauen» sind Teil einer Sensibilisierungskampagne. Diese Kampagne zielte darauf ab, auf die «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» aufmerksam zu machen, die kürzlich endeten. Ein Beobachter bemerkte die orangen Schilder mit den Aufklebern und äusserte seinen Unmut. Er vermutete, dass die Sticker nicht zum ursprünglichen Zweck der Plakate gehörten.
Die Opferhilfe Basel reagierte umgehend auf Instagram. In einem Post distanzierte sich die Organisation klar von den Stickern. Sie betonte:
«Keine Polemik auf Kosten gewaltbetroffener Menschen! Tatpersonen gibt es in jeder Nationalität!»Diese Aussage unterstreicht die universelle Natur des Problems häuslicher und geschlechtsspezifischer Gewalt.
Fakten zu Gewalt an Frauen in der Schweiz
- Jede zweite Woche wird in der Schweiz eine Frau getötet.
- In den meisten Fällen ist der Täter der aktuelle oder ehemalige Partner des Opfers.
- Gewalt an Frauen kommt in allen gesellschaftlichen Schichten vor.
- Die Herkunft der Täter spielt dabei keine Rolle.
Der Begriff «Remigration» und seine Verwendung
Der Begriff «Remigration» wird von Gruppierungen am rechten politischen Rand verwendet. Er suggeriert die Rückführung von Migranten in ihre Herkunftsländer. Die Verwendung dieses Begriffs auf Plakaten gegen Gewalt an Frauen wird von vielen als bewusste Provokation und Instrumentalisierung eines ernsten sozialen Problems betrachtet. Es lenkt von der eigentlichen Botschaft der Kampagne ab und versucht, eine politische Agenda zu etablieren.
Anna-Béatrice Schmaltz, eine Expertin für Gewaltprävention von «Frieda – die feministische Friedensorganisation», erklärt, dass Gewalt an Frauen ein gesellschaftsübergreifendes Problem ist. Sie betont, dass die Herkunft der Täter dabei keine Rolle spielt. Diese Ansicht teilen viele Fachleute und Organisationen, die sich gegen geschlechtsspezifische Gewalt einsetzen.
Ähnlicher Vorfall im Kanton Bern
Nicht nur in Basel gab es solche Vorfälle. Auch in Burgdorf im Kanton Bern wurde ein ähnliches Plakat gesichtet. Ein weiterer Beobachter berichtete von einem Plakat, das mit «Remigration»-Stickern versehen war. Er fand es merkwürdig, dass die Unterstützer der «Orange Days» – ein anderer Name für die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» – sich mit dem Thema Remigration beschäftigen würden. Dies deutet darauf hin, dass die Sticker von externen Akteuren angebracht wurden.
Dieser schweizweite Trend zeigt eine koordinierte Aktion. Es scheint, als ob gezielt Kampagnen gegen Gewalt an Frauen untergraben werden sollen. Die Täter nutzen die Reichweite der bestehenden Plakate, um ihre eigene Botschaft zu verbreiten.
Hintergrund: Die «16 Tage gegen Gewalt an Frauen»
Die Kampagne «16 Tage gegen Gewalt an Frauen» findet jährlich vom 25. November bis zum 10. Dezember statt. Sie beginnt am Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen und endet am Internationalen Tag der Menschenrechte. Ziel ist es, das Bewusstsein für geschlechtsspezifische Gewalt zu schärfen und politische Massnahmen zu fordern. Weltweit finden in diesem Zeitraum Aktionen und Veranstaltungen statt, um auf die Notwendigkeit der Gewaltprävention hinzuweisen.
Politische Reaktionen und Kritik
Melanie Nussbaumer, Grossrätin der SP, zeigte sich schockiert über die Vorfälle. Sie bezeichnete die Aktion als «Angriff auf alle Betroffenen von Gewalt». Nussbaumer betonte, dass das Überkleben der Plakate mit rechtsextremen Parolen ein bewusster Versuch sei, eine wichtige frauenpolitische Kampagne zu sabotieren. Sie sieht darin den Versuch, die Kampagne durch eine rechtsextreme Agenda zu ersetzen.
«Es ist völlig inakzeptabel, dass Rechtsextreme dieses Thema für rassistische Hetze instrumentalisieren,»erklärte sie.
Thomas Fuchs, Grossrat der SVP Bern, äusserte sich ebenfalls zu dem Vorfall. Er betonte, dass Sachbeschädigung ein «absolutes No-Go» sei. Gleichzeitig wies er darauf hin, dass es statistisch erhärtet sei, dass bestimmte Kriminalitätsformen bei Migranten häufiger vorkämen. Er findet es wichtig, auch darüber zu sprechen. Diese Aussage wurde von vielen als Versuch gewertet, die Debatte zu verschieben und die Thematik der Gewalt an Frauen mit Migrationsfragen zu verknüpfen, was Kritiker als irreführend und diskriminierend empfinden.
Die Bedeutung der Kampagne
Die Kampagnen gegen Gewalt an Frauen sind entscheidend, um auf ein ernstes gesellschaftliches Problem aufmerksam zu machen. Sie bieten Betroffenen wichtige Informationen und zeigen Wege zur Hilfe auf. Die gezielte Störung dieser Kampagnen ist nicht nur eine Sachbeschädigung, sondern auch ein Angriff auf die Bemühungen, Opfern von Gewalt eine Stimme zu geben und Prävention zu betreiben. Die Organisationen, die hinter diesen Plakaten stehen, arbeiten unermüdlich daran, ein sicheres Umfeld für alle zu schaffen.
Es ist wichtig, dass die ursprüngliche Botschaft der Kampagne nicht verloren geht. Gewalt gegen Frauen ist ein weit verbreitetes Problem, das in allen Teilen der Gesellschaft existiert. Es erfordert eine gemeinsame Anstrengung, um es zu bekämpfen. Die Diskussion sollte sich auf die Unterstützung der Opfer und die Prävention von Gewalt konzentrieren, anstatt auf politische Polemik.
- Hilfsangebote für Betroffene:
- Polizei nach Kanton
- Online Opferberatung
- Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz
- Frauenberatung sexuelle Gewalt
- Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche
- Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein
- Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer
- LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133
- Alter ohne Gewalt, Tel. 0848 00 13 13
- Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143
- Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147
- Forensic Nurses (Kanton Zürich), Tel. 0800 09 09 09
- Beratungsstellen für gewaltausübende Personen





