Die S-Bahn Basel steht vor einer bedeutenden Entwicklung. In den Parlamenten der Kantone Aargau, Baselland, Basel-Stadt und Solothurn wurden ähnliche Vorstösse eingereicht. Sie zielen darauf ab, die Kapazität des regionalen Schienennetzes kurz- bis mittelfristig zu erhöhen und gleichzeitig die Strassen zu entlasten. Im Mittelpunkt stehen die Einführung von Doppelstockzügen und die Optimierung bestehender Infrastrukturen.
Wichtige Punkte
- Vier Kantone prüfen Einsatz von Doppelstockzügen für mehr Passagiere.
- Intelligente Lösungen wie Flügelzüge und Tangentialzüge sollen Staupunkte umfahren.
- Direkte Verbindung Basel Badischer Bahnhof nach Pratteln über Gütergleise in Prüfung.
- Ziel ist eine kurz- bis mittelfristige Entlastung des Strassennetzes.
Doppelstockzüge für höhere Kapazität
Einer der zentralen Vorschläge betrifft die Einführung von Doppelstockzügen. Diese Züge sind bereits auf anderen Schweizer S-Bahn-Linien und im Schnellzugverkehr erfolgreich im Einsatz. Sie bieten den Vorteil, dass sie bei gleicher Zuglänge deutlich mehr Passagiere befördern können als die aktuell verwendeten einstöckigen Modelle. Dies würde die Transportkapazität der S-Bahn Basel erheblich steigern.
Die Kantonsregierungen haben den Auftrag erhalten, die Beschaffung und den Einsatz solcher Züge detailliert zu prüfen. Eine solche Massnahme könnte dazu beitragen, den steigenden Pendlerzahlen in der Region gerecht zu werden und den öffentlichen Verkehr attraktiver zu gestalten. Die Erfahrungen aus anderen Regionen zeigen, dass Doppelstockzüge eine effiziente Lösung für Ballungsräume darstellen.
Wussten Sie schon?
Doppelstockzüge können bis zu 30-50% mehr Passagiere pro Zug befördern als herkömmliche einstöckige Züge gleicher Länge.
Intelligente Lösungen zur Netzoptimierung
Neben den Doppelstockzügen sollen auch intelligente Betriebskonzepte untersucht werden. Dazu gehören insbesondere Flügelzüge und Tangentialzüge. Flügelzüge bestehen aus mehreren Zugkompositionen, die in der Nähe eines Zentrums als ein einziger Zug verkehren und sich dann unterwegs trennen, um verschiedene Ziele anzufahren. Dieses System optimiert die Auslastung und vermeidet unnötige Umsteigevorgänge.
Tangentialzüge würden den Knotenpunkt und Kopfbahnhof Basel SBB umfahren. Dies könnte die Belastung des Hauptbahnhofs reduzieren und die Pünktlichkeit auf anderen Linien verbessern. Ein weiterer wichtiger Prüfpunkt ist die direkte Verbindung vom Basel Badischen Bahnhof in Richtung Pratteln. Diese Strecke wird heute ausschliesslich von Güterzügen genutzt. Eine Öffnung für den Personenverkehr könnte neue, effiziente Verbindungen schaffen und somit Pendlerzeiten verkürzen.
„Die bestmögliche Nutzung der bestehenden Infrastruktur steht im Vordergrund. Wir suchen nach Lösungen, die kurz- bis mittelfristig wirken und das Strassennetz entlasten.“
Hintergrund und politische Unterstützung
Die Vorstösse wurden auf Anregung der Grünen aus Aargau, Baselland, Basel-Stadt und Solothurn in den jeweiligen Kantonsparlamenten eingereicht. Im Fricktal wird die Initiative von einer breiten Allianz aus Grossrätinnen und Grossräten verschiedener Parteien getragen, darunter GLP, Grüne, Die Mitte, SP und SVP. Diese breite politische Unterstützung unterstreicht die Dringlichkeit und den Konsens über die Notwendigkeit, den öffentlichen Verkehr in der Region zu stärken.
Das gemeinsame Ziel ist klar: Es sollen in naher Zukunft mehr Personen transportiert und gleichzeitig das stark belastete Strassennetz entlastet werden. Die Prüfungen sollen auch die Auswirkungen auf den Schnellzug- und Güterverkehr sowie die Finanzierungsoptionen der vorgeschlagenen Massnahmen aufzeigen. Dies ist entscheidend für eine realistische Umsetzbarkeit der Projekte.
Langfristige Perspektive
Im Gegensatz zu diesen kurz- bis mittelfristigen Verbesserungen steht die langfristige Vision einer Durchmesserlinie. Die aktuellen Vorstösse konzentrieren sich jedoch auf schnellere, umsetzbare Massnahmen, um akuten Kapazitätsengpässen entgegenzuwirken.
Vorteile für die Region
Die geplanten Massnahmen versprechen mehrere Vorteile für die gesamte Region Basel. Eine höhere Kapazität im öffentlichen Verkehr würde nicht nur Pendler entlasten, sondern auch einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, indem mehr Menschen vom Auto auf die Bahn umsteigen. Die Entlastung des Strassennetzes könnte zu weniger Staus und einer besseren Luftqualität führen.
Die Optimierung der Zugverbindungen und die Einführung neuer Strecken könnten zudem die Attraktivität der Region als Wohn- und Arbeitsort steigern. Eine gut ausgebaute und effiziente S-Bahn ist ein wichtiger Standortfaktor für Unternehmen und Einwohner gleichermassen. Die Prüfung dieser Vorschläge ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer zukunftsfähigen Mobilität in der Nordwestschweiz.
- Weniger Stau: Mehr Pendler auf der Schiene bedeuten weniger Autos auf den Strassen.
- Kürzere Reisezeiten: Optimierte Routen und höhere Frequenzen können die Fahrzeiten verkürzen.
- Besserer Umweltschutz: Der Umstieg auf den öffentlichen Verkehr reduziert CO2-Emissionen.
- Stärkung des Wirtschaftsstandorts: Eine gute Verkehrsinfrastruktur ist attraktiv für Unternehmen.
Nächste Schritte der Kantonsregierungen
Die Kantonsregierungen von Baselland, Basel-Stadt und Aargau sind nun beauftragt, die Machbarkeit und die genauen Auswirkungen der vorgeschlagenen Massnahmen zu prüfen. Dazu gehören technische Machbarkeitsstudien, Kosten-Nutzen-Analysen und die Abstimmung mit den bestehenden Fahrplänen des Schnell- und Güterverkehrs. Die Ergebnisse dieser Prüfungen werden entscheidend sein für die weitere Planung und Umsetzung der S-Bahn-Erweiterung in der Region Basel.
Es bleibt abzuwarten, welche konkreten Vorschläge aus diesen Prüfungen hervorgehen und wie schnell die ersten Verbesserungen für die Pendler spürbar werden. Die breite politische Unterstützung lässt jedoch auf eine zügige Bearbeitung hoffen.





