Der Grosse Rat des Kantons Basel-Stadt hat den Weg für den Verkauf der defizitären Basler Personenschifffahrt AG (BPG) an das private Unternehmen United Waterways AG freigemacht. Mit 51 zu 43 Stimmen wurde die Umwidmung der BPG-Aktien beschlossen, was der Regierung den Verkauf ermöglicht. Dieser Schritt soll die Schifffahrt auf dem Rhein langfristig sichern und weitere Subventionen des Kantons vermeiden.
Wichtige Punkte
- Der Grosse Rat Basel-Stadt stimmt dem Verkauf der BPG an United Waterways AG zu.
- United Waterways bietet 250'000 Franken für die BPG und sichert den Betrieb für zwölf Jahre zu.
- Ohne Verkauf wären bis 2030 Subventionen von 6.5 Millionen Franken nötig gewesen.
- Die Arbeitsplätze des Personals sollen übernommen werden.
- Die BPG war seit Jahren defizitär und die Leistungsvereinbarung endete 2025.
Verkauf beendet lange Debatte um Subventionen
Die Basler Personenschifffahrt AG (BPG) kämpfte seit Jahren mit finanziellen Schwierigkeiten. Ohne eine neue Leistungsvereinbarung, die Ende 2025 auslief, drohte dem Kanton eine Subventionslast von insgesamt 6.5 Millionen Franken bis zum Jahr 2030. Der nun beschlossene Verkauf an United Waterways AG, ein international tätiges Schifffahrtsunternehmen mit Sitz in Basel, soll diese finanzielle Belastung für den Kanton beenden.
United Waterways AG hat für die BPG samt ihren drei Schiffen – der «Basler Dybli», der «Christoph Merian» und der «Rhystärn» – einen Kaufpreis von 250'000 Franken geboten. Das Unternehmen hat zudem eine Betriebsgarantie für die Personenschifffahrt über zwölf Jahre zugesichert. Ein entscheidender Punkt für viele war auch die Zusage zur Übernahme des bestehenden Personals.
Fakten zur BPG
- Gründung: Vorgängerunternehmen 1924 als Genossenschaft, BPG als AG 1968.
- Eigentümer: Seit 1988 alleiniger Besitzer Kanton Basel-Stadt.
- Aktueller Fuhrpark: Drei Schiffe – «Basler Dybli» (140 Plätze), «Christoph Merian» (500 Plätze), «Rhystärn» (600 Plätze).
- Defizit 2024: 677'171 Franken bei einem Budget von 7.4 Millionen Franken.
Politische Meinungen zum Verkauf gespalten
Die Abstimmung im Grossen Rat zeigte eine klare Spaltung der politischen Kräfte. Befürworter des Verkaufs sahen darin eine notwendige und pragmatische Lösung für die chronisch defizitäre BPG. Parteien wie LDP, FDP, Mitte/EVP, GLP und SVP sprachen sich für die Privatisierung aus. Lorenz Amiet von der SVP betonte, dass es sich um eine «Basler Lösung» handle und der Käufer genau wisse, worauf er sich einlasse.
Regierungsrat Kaspar Sutter, Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements, wies auf die hohen Investitionen hin, die für die Flotte anstünden. Allein für den Ersatz eines einzigen Passagierschiffs wären in den kommenden zwölf Jahren über 40 Millionen Franken nötig. Angesichts dieser Zahlen sei der gebotene Kaufpreis von 250'000 Franken nicht als zu niedrig zu bewerten, so Sutter.
«Ohne Staatsgelder wäre die BPG längst auf Grund gelaufen», erklärte Regierungsrat Kaspar Sutter und betonte die Dringlichkeit einer Neuausrichtung.
Kritik an Verkaufsbedingungen und Identitätsverlust
Opposition kam von SP, Grünen und BastA. Sie argumentierten, dass die BPG eine wichtige und identitätsstiftende Rolle für den Kanton spiele. Ismail Mahmoud von der SP hielt das Angebot von 250'000 Franken für zu niedrig. Er kritisierte zudem, dass die Garantien, insbesondere für Löhne und Arbeitsbedingungen, nur für drei Jahre gesichert seien und dies nicht ausreiche.
Die «Basler Dybli», das älteste Schiff der Flotte mit einer Kapazität von 140 Passagieren, sollte ursprünglich wegen anstehender Renovationskosten ausgemustert werden. Die Übernahmeofferte von United Waterways hat diese Entscheidung vorerst vertagt. Die «Rhystärn», 2018 in Betrieb genommen, ist das jüngste Schiff mit 600 Plätzen. Die «Christoph Merian» aus dem Jahr 1982 mit 500 Plätzen soll altersbedingt bis zum Ende des Jahrzehnts ersetzt werden.
Hintergrund der BPG
Die Basler Personenschifffahrt blickt auf eine lange Geschichte zurück. Das Vorgängerunternehmen wurde 1924 als Genossenschaft gegründet. Nach einem intensiven Wettbewerb mit einer Konkurrenzfirma wurde die Basler Personenschiffahrtsgesellschaft (BPG) 1968 als Aktiengesellschaft neu formiert. Seit 1988 war der Stadtkanton Basel-Stadt alleiniger Eigentümer. Die Regierung hatte den Verkauf als notwendigen Schritt bezeichnet, um das Unternehmen in «ruhigere Gewässer» zu steuern und eine stabilere Weiterführung innerhalb der United Waterways-Gruppe zu ermöglichen.
Blick in die Zukunft der Rheinschifffahrt
Mit dem Verkauf der BPG beginnt ein neues Kapitel für die Personenschifffahrt in Basel. United Waterways AG ist ein erfahrenes Unternehmen, das mit 120 Schiffen international tätig ist, unter anderem in Köln, Dresden und London. Diese Expertise könnte der Basler Flotte neue Impulse geben und die Attraktivität der Rheinrundfahrten steigern. Die zwölfjährige Betriebsgarantie bietet dabei eine gewisse Planungssicherheit für die Bürger und Touristen, die die Schifffahrt auf dem Rhein schätzen.
Die Entscheidung des Grossen Rates markiert das Ende einer Ära der staatlichen Personenschifffahrt in Basel. Gleichzeitig eröffnet sie die Möglichkeit für private Investitionen und eine möglicherweise effizientere Betriebsführung, um die Zukunft dieser wichtigen regionalen Dienstleistung zu sichern. Die kommenden Jahre werden zeigen, wie sich die Privatisierung auf das Angebot und die Qualität der Basler Personenschifffahrt auswirken wird.





