Der Marktplatz in Basel, ein zentraler Knotenpunkt der Stadt, könnte in den kommenden Jahren mehrfach umgestaltet werden. Anwohner und Gewerbetreibende blicken mit Sorge auf eine mögliche Serie von Baustellen. Sanierungsarbeiten an Gleisen und der Birsig-Überdeckung stehen bevor, gefolgt von einer umfassenden Umgestaltung und der Debatte um eine tramfreie Innenstadt.
Wichtige Punkte
- Ab Frühling beginnen Gleissanierungen und die Verstärkung der Birsig-Überdeckung.
- Ein umfassendes Umgestaltungsprojekt ist ab 2032 geplant.
- Die Initiative «Go Basel Go» fordert einen tramfreien Marktplatz und könnte zu weiteren Umbauten führen.
- Die aktuellen Baupläne berücksichtigen die Initiative noch nicht.
- Gewerbetreibende befürchten Umsatzeinbussen durch wiederholte Baustellen.
Sofortmassnahmen und erste Bauphase
Bereits im kommenden April starten die ersten grossen Bauarbeiten auf dem Basler Marktplatz. Die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) erneuern die Tramgleise zwischen Gerbergasse und Schifflände. Der intensive Tramverkehr hat diese stark beansprucht. Gleichzeitig werden die Haltekanten der Tramhaltestelle Marktplatz erhöht. Dies ist notwendig, um Menschen mit Behinderung einen stufenlosen Ein- und Ausstieg zu ermöglichen, wie es das Behindertengleichstellungsgesetz des Bundes vorschreibt.
Unter dem Marktplatz fliesst der Birsig. Seine Überdeckungsplatten müssen verstärkt und saniert werden. Auch die Industriellen Werke Basel (IWB) sind beteiligt. Sie erneuern Wasser- und Fernwärmeleitungen. Diese ersten Bauarbeiten sollen voraussichtlich bis Herbst 2026 dauern.
Fakten zu den Sofortmassnahmen
- Dauer: Voraussichtlich bis Herbst 2026.
- Kosten: Knapp 7 Millionen Franken.
- Einschränkungen: Zehn Wochen Sperrung des Tramverkehrs durch die Innenstadt während der Sommerferien.
Die Basler Regierung betont, dass diese Renovierungsarbeiten mit einem zweiten, grösseren Umbauprojekt abgestimmt sind. Dies soll sicherstellen, dass die Investitionen nachhaltig sind und nicht kurz darauf wieder rückgängig gemacht werden müssen.
Die geplante Grossumgestaltung ab 2032
Neben den dringenden Sanierungen gibt es Pläne für eine umfassende Neugestaltung des Marktplatzes und der Schifflände. Verschiedene Grossräte haben Vorschläge eingebracht. Ein Beispiel ist die Forderung des ehemaligen SP-Grossrats Christian von Wartburg nach einer Einebnung des Platzes durch das «Einklappen» der Trottoirs. FDP-Grossrat Luca Urgese wünscht sich zudem bessere Bedingungen für Boulevardgastronomie.
Ein zentraler Punkt der Umgestaltung ist die Neuorganisation der Fussgänger- und Velowege. Aktuell kommt es vor dem Rathaus immer wieder zu Konflikten zwischen Velofahrern und Fussgängern. Eine grossrätliche Kommission hat bereits «Sensibilisierungs-Massnahmen» gefordert, um die Sicherheit zu erhöhen.
Hintergrund: Konflikte zwischen Fussgängern und Velofahrern
In der Fussgängerzone vor dem Rathaus sind Velofahrer oft unterwegs, obwohl dies zu gefährlichen Situationen mit Fussgängern führen kann. Die geplante Umgestaltung soll hier Abhilfe schaffen und die Wege klarer trennen.
Die Vision ist eine Fläche mit mehr Boulevardgastronomie, getrennten Wegen und zusätzlichen Bäumen. Der Grosse Rat hat für dieses Vorprojekt bereits 350'000 Franken bewilligt. Nach aktuellen Einschätzungen könnte das Projekt frühestens 2028 in den politischen Prozess gelangen und dann ab 2032 umgesetzt werden.
Die Initiative «Go Basel Go» und ihre Auswirkungen
Eine weitere Komponente, die die Zukunft des Marktplatzes beeinflussen könnte, ist die Initiative «Go Basel Go». Dieses Volksbegehren, unterstützt von Architekten wie Pierre de Meuron und Jacques Herzog sowie Crossair-Gründer Moritz Suter, strebt an, den Marktplatz innerhalb von «vier bis fünf Jahren» vom Tramverkehr zu befreien. Die Trams sollen stattdessen über den Petersgraben fahren, um die Innenstadt attraktiver zu machen.
Shuttle-Busse sollen die wegfallende Tramhaltestelle am Marktplatz kompensieren. Sie sollen Menschen, insbesondere ältere oder mobilitätseingeschränkte Personen, näher ins Zentrum bringen. Sollte diese Initiative vom Stimmvolk angenommen werden, könnte dies zu einer dritten grossen Bauphase auf dem Marktplatz innerhalb weniger Jahre führen.
«Das Sammeln von Unterschriften für eine Initiative kann keine Grossratsbeschlüsse kippen.»
Das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) erklärt, dass die Unterschriftensammlung für «Go Basel Go» derzeit keinen Einfluss auf die laufenden Renovierungsarbeiten oder die geplante Neu- und Umgestaltung hat. Die Sanierung der Gleise und die Erhöhung der Haltestellen sind aufgrund des Zustands und gesetzlicher Vorgaben dringend notwendig.
Politische Debatte und Zukunftsperspektiven
Michael Hug, LDP-Grossrat und Präsident der Initiative «Go Basel Go», hält es für grundsätzlich «richtig», dass eine laufende Initiative gefasste Beschlüsse nicht einfach aushebelt. Er plädiert aber dafür, dass Planungen keine vollendeten Tatsachen schaffen sollten.
Hug sieht keine Konfliktpunkte zwischen der Initiative und der Sanierung der Birsig-Überdeckung. Er betont, dass diese Massnahme dem Hochwasserschutz dient und eine Grundlage für jede zukünftige Umgestaltung des Platzes bildet.
Stand der Initiative «Go Basel Go»
Das Komitee hat aktuell über die Hälfte der benötigten 3000 Unterschriften gesammelt und ist zuversichtlich, das Quorum zu erreichen.
SP-Grossrätin Lisa Mathys ist der Ansicht, dass eine noch nicht eingereichte Initiative keine Auswirkungen auf beschlossene Projekte haben darf. Sie schätzt, dass über «Go Basel Go» bis 2032 abgestimmt sein wird, dem Zeitpunkt, zu dem die umfassende Umgestaltung des Marktplatzes beginnen soll. Dies würde eine Berücksichtigung der Initiative ermöglichen.
Mathys bezeichnet eine tramfreie Innenstadt als «grosse Vision». Sie rechnet damit, dass die Umsetzung nach einer Annahme der Initiative weitere 15 bis 20 Jahre dauern könnte. Daher sollten beschlossene Projekte nicht vorzeitig gestoppt werden.
Die letzte umfassende Sanierung des Marktplatzes mit neuer Pflästerung fand im Jahr 2019 statt. Ende Oktober 2025 endeten die Bauarbeiten am Globus-Gebäude am Marktplatz, das zuvor entkernt und neu aufgebaut wurde.
Die Diskussionen um den Marktplatz zeigen die Komplexität städtischer Entwicklung. Es gilt, dringende Infrastrukturarbeiten, langfristige Visionen und Bürgerwünsche unter einen Hut zu bringen. Die Basler Bevölkerung wird in den kommenden Jahren gespannt verfolgen, wie sich dieser zentrale Ort der Stadt entwickeln wird.





