In der Basler Architekturbranche bleiben die Verhandlungen über einen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) ein zentrales Thema. Eine kürzlich durchgeführte Informationsveranstaltung brachte neue Klarheit über die Positionen der verschiedenen Akteure. Die Gewerkschaft Syna treibt die Petition für einen GAV weiter voran, während der sia Basel seine Rolle als Sozialpartner neu definiert.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Petition für einen GAV Architektur läuft bis Frühling 2026.
- Der sia Basel sieht sich nicht als reiner Arbeitgeberverband und lehnt die aktive Unterstützung eines GAV ab.
- Der Arbeitgeberverband Basel wäre bereit für Verhandlungen, benötigt aber einen klaren Auftrag vom sia.
- Eine Interessengruppe soll Arbeitnehmende im sia Basel stärken, um interne GAV-Anträge zu ermöglichen.
Stand der GAV-Diskussionen in Basel
Seit Frühling 2024 wurden verschiedene Schritte unternommen, um die Einführung eines Gesamtarbeitsvertrags in der Architekturbranche der Region Basel voranzutreiben. Die Gewerkschaft Syna hat in dieser Zeit eine Petition lanciert und zahlreiche Gespräche geführt. Ein kürzliches Treffen zwischen Syna und Vertretern des sia Basel, Margot Meier (Präsidentin) und Lukas Weber (Vorstandsmitglied), diente dazu, die unterschiedlichen Standpunkte zu klären.
Der sia Basel hat seine Position auch öffentlich auf seiner Webseite dargelegt. Dort wird argumentiert, dass der Verband aufgrund seiner Struktur kein Sozialpartner für einen GAV sein könne. Der Hauptgrund sei, dass der sia kein reiner Arbeitgeberverband ist. Diese Aussage ist grundsätzlich korrekt, jedoch zeigt sich die Realität im Detail komplexer, wie Stefan Isenschmid, Regionalsekretär von Syna Region Nordwestschweiz, betonte.
Faktencheck
Der sia Basel ist zwar kein reiner Arbeitgeberverband, jedoch sind die Arbeitgeber innerhalb des sia Basel im Arbeitgeberverband Basel organisiert. Diese Organisation bietet eine rechtskonforme Grundlage für mögliche GAV-Verhandlungen.
Rolle des Arbeitgeberverbands Basel
Stefan Isenschmid klärte mit dem Arbeitgeberverband Basel ab, ob dieser bereit wäre, in GAV-Verhandlungen für die Architekturbranche einzutreten. Die Antwort war eindeutig: Der Arbeitgeberverband wäre bereit, aber die Verhandlungen müssten von einer Delegation von Arbeitgebern aus dem sia-Verband selbst geführt werden. Der Arbeitgeberverband ist inhaltlich nicht zuständig, sondern würde den Rahmen für die Verhandlungen stellen.
Wichtig ist dabei, dass diese Arbeitgeberdelegation einen klaren Auftrag vom sia erhalten müsste. Margot Meier vom sia Basel hob zwar hervor, dass sia-Arbeitgeber im Arbeitgeberverband organisiert sind, doch für die GAV-Frage spielt dies eine untergeordnete Rolle, solange kein Mandat erteilt wird.
„Der sia wird nichts aktiv unternehmen, um einen ‹GAV Architektur› zu unterstützen.“
Diese Aussage von Lukas Weber verdeutlicht die aktuelle Haltung des sia Basel. Für die Gewerkschaft Syna war dies eine wichtige Klarstellung. Der Weg zu einer Arbeitgeber-Verhandlungsdelegation ist nun klarer, frei von Missverständnissen und Halbwahrheiten.
Die Petition und nächste Schritte der Syna
Auf Wunsch der Teilnehmer des Diskussionsabends wird die GAV-Petition noch bis zum Frühling 2026 weitergeführt. Anschliessend plant die Gewerkschaft Syna eine offizielle Übergabe der gesammelten Unterschriften an den sia Basel. Diese Übergabe wird mit der klaren Aufforderung verbunden sein, Verhandlungen über einen Gesamtarbeitsvertrag aufzunehmen.
Dies markiert den Abschluss des ersten Auftrags der Gewerkschaft Syna in dieser Angelegenheit. Weitere direkte Schritte seitens Syna sind derzeit nicht geplant. Die Diskussion vom 19. Oktober zeigte, dass der nächste Vorstoss nun aus den Reihen des sia selbst kommen muss, um Bewegung in die Sache zu bringen.
Hintergrundinformationen
Ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) regelt die Arbeitsbedingungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmenden einer Branche. Er legt Mindestlöhne, Arbeitszeiten, Ferienansprüche und weitere wichtige Aspekte fest, um faire und transparente Bedingungen zu gewährleisten.
Stärkung der Arbeitnehmenden im sia Basel
Ein entscheidender Punkt, der aus der konstruktiven Diskussion hervorging, ist die Notwendigkeit, eine Interessengruppe innerhalb der GAV-Befürworter zu bilden. Diese Gruppe soll aktiv dafür sorgen, dass eine signifikante Anzahl von Arbeitnehmenden dem sia Basel beitritt. Im Laufe des Abends wurde festgestellt, dass die Mehrheit der sia-Mitglieder derzeit aus Arbeitgebern besteht.
Wenn diese Interessengruppe ihr Ziel erreicht und die Vertretung der Arbeitnehmenden im sia gestärkt wird, kann intern beim sia der Antrag auf einen GAV gestellt werden. Sollte dieser Antrag erfolgreich sein, müsste der Vorstand des sia dann dem Arbeitgeberverband Basel den Auftrag zur Erarbeitung eines GAV erteilen.
Die Gewerkschaft Syna kann diesen internen Prozess nicht direkt beeinflussen, bietet jedoch ihre Unterstützung für die Lobbying-Gruppe an. Es geht darum, die Arbeitnehmenden der Architekturbranche zu stärken, um gemeinsam stärkere Ergebnisse zu erzielen.
- Ziel: Erhöhung der Arbeitnehmenden-Mitglieder im sia Basel.
- Wirkung: Ermöglicht interne GAV-Anträge.
- Nächster Schritt: sia-Vorstand erteilt Auftrag an Arbeitgeberverband Basel.
Interessierte, die sich aktiv für bessere Arbeitsbedingungen einsetzen möchten, können ihre Kontaktdaten unter dem Vermerk „Interessengruppe“ an stefan.isenschmid@syna.ch senden. Ein nächstes Treffen dieser Gruppe wird das weitere Vorgehen bestimmen. Nur gemeinsam können die angestrebten Veränderungen realisiert werden.





