In Basel kam es am Freitag zu einer grossen Demonstration von Bauarbeitern, die für einen neuen Landesmantelvertrag protestierten. Fast 1000 Beschäftigte forderten bessere Löhne und mehr Respekt. Die Kundgebung wurde jedoch von gegenseitigen Vorwürfen zwischen Arbeitgebern und Gewerkschaften überschattet, nachdem es Berichte über Zwischenfälle auf Baustellen gab.
Wichtige Punkte
- Fast 1000 Bauarbeiter demonstrierten in Basel für einen neuen Landesmantelvertrag.
- Baumeisterverbände berichten von Sachbeschädigungen und Bedrohungen auf fünf Baustellen.
- Gewerkschaften weisen die Vorwürfe zurück und sprechen von Druck auf Arbeitnehmer.
- Der Streit betrifft die laufenden Verhandlungen über den Gesamtarbeitsvertrag.
- Branchenweite Streiks finden in der gesamten Schweiz statt.
Hintergrund des Protests: Auslaufender Landesmantelvertrag
Der aktuelle Landesmantelvertrag für die rund 80'000 Bauarbeitenden in der Schweiz läuft dieses Jahr aus. Die Verhandlungen zwischen den Gewerkschaften und dem Baumeisterverband, die bereits in die fünfte Runde gingen, endeten Ende Oktober ergebnislos. Ohne eine Einigung droht ein branchenweiter Streik, der weitreichende Folgen für die gesamte Baubranche haben könnte.
Die Forderungen der Arbeitnehmer sind klar: Sie verlangen mehr Lohn, Respekt für ihre Arbeit und Solidarität. Diese Botschaften waren auch auf den Transparenten der Basler Demonstranten deutlich zu lesen. Der Druck auf die Verhandlungspartner wächst, da die Proteste landesweit zunehmen.
Was ist ein Landesmantelvertrag (LMV)?
Ein Landesmantelvertrag ist ein Gesamtarbeitsvertrag (GAV) auf nationaler Ebene. Er regelt die Arbeitsbedingungen, Löhne und Rechte für eine ganze Branche. Für die Bauwirtschaft ist der LMV zentral, da er einheitliche Standards für Zehntausende von Arbeitnehmern festlegt. Das Auslaufen dieses Vertrages ohne Nachfolgeabkommen führt oft zu Arbeitskämpfen.
Eskalation bei Basler Baustellen: Vorwürfe und Gegenbeschuldigungen
Am Freitagmorgen sammelten Gewerkschaftsbusse Bauarbeiter von verschiedenen Baustellen in der Region Basel ein, um sie zur Demonstration zu bringen. Dieser Vorgang ist unbestritten. Was danach geschah, führte jedoch zu erheblichen Meinungsverschiedenheiten und gegenseitigen Anschuldigungen.
Daniel Allemann, Verbandspräsident der Bauunternehmer Region Basel, schildert eine aggressive Stimmung. Er berichtet von Zwischenfällen auf insgesamt fünf Baustellen. Dort sei die Weiterarbeit verhindert und Sachschaden verursacht worden. Besonders gravierend sei die Situation auf einer Baustelle im Hafengebiet gewesen.
«Mehrere Busse sind vorgefahren. Dutzende Menschen sind maskiert und mit Stöcken bewaffnet ausgestiegen. Sie haben die Mitarbeitenden bedroht und Dinge mutwillig zerstört, zum Beispiel Pneus von Lieferfahrzeugen zerstochen oder Kabel durchtrennt.»
Gemeldete Schäden
- Aufgestochene Pneus von Lieferfahrzeugen
- Durchtrennte Stromkabel
- Arbeitsbehinderung auf fünf Baustellen
Allemann zufolge trugen einige der maskierten Personen Mützen mit Logos der Gewerkschaften Unia und Syna. Die betroffenen Verbände prüfen nun rechtliche Schritte gegen die Verursacher der Schäden und Bedrohungen.
Sicht der Gewerkschaften: Druck auf Arbeitnehmer
Die Gewerkschaften weisen die Vorwürfe der Baumeisterverbände entschieden zurück. Patrik Felber, Sprecher der Unia, betont, dass die Gewerkschaften nicht für die beschriebenen Ausschreitungen verantwortlich seien. Er schildert eine andere Version der Ereignisse, die die angespannte Atmosphäre auf den Baustellen erklären soll.
«Uns haben zahlreiche Bauarbeiter berichtet, dass sie von ihren Vorgesetzten unter Druck gesetzt wurden, um nicht am Protesttag teilzunehmen. Wir hörten von Fällen, in denen Angestellte in Pausenräume oder Baubaracken eingesperrt wurden, damit sie nicht an der Demonstration teilnehmen konnten.»
Laut Felber führte dieser Druck zu einer aufgeheizten Stimmung und Randale einiger Bauarbeiter. Er betont, dass die Personen, die Kappen und Fahnen der Gewerkschaft trugen, nicht von der Unia entsandt waren. Die Gewerkschaften sehen in den Aktionen der Arbeitgeber einen Versuch, die Proteste zu unterdrücken.
Branchenweite Streiks und die Zukunft der Verhandlungen
Die Proteste der Bauarbeiter sind nicht auf Basel beschränkt. In vielen Teilen der Schweiz, darunter im Tessin und in Lausanne, legen Bauarbeiter ihre Arbeit nieder. Anfang der Woche demonstrierten in Lausanne rund 7000 Bauarbeiter. Diese Aktionen unterstreichen die Dringlichkeit einer Einigung im Tarifstreit.
Sowohl die Arbeitgeber als auch die Gewerkschaften sind sich einig, dass solche Zwischenfälle und gegenseitigen Anschuldigungen den Verhandlungen über einen neuen Landesmantelvertrag nicht dienlich sind. Eine konstruktive Lösung scheint vor diesem Hintergrund zunehmend schwierig zu werden. Die Bauarbeiter hoffen auf faire Arbeitsbedingungen und angemessene Löhne, während die Arbeitgeber auf die Einhaltung von Recht und Ordnung pochen.
Die Frage bleibt, wie die Verhandlungspartner diesen Konflikt beilegen und einen neuen, für beide Seiten akzeptablen Landesmantelvertrag aushandeln können. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob der Dialog wieder in den Vordergrund rückt oder ob die Proteste weiter eskalieren.





