Das Schweizer Gastgewerbe steht vor einer Phase bedeutender Veränderungen. Dr. iur. Bernard Cloëtta übernimmt am 1. Januar den Vorsitz der Aufsichtskommission des Landes-Gesamtarbeitsvertrags (L-GAV). Diese Neubesetzung fällt in eine Zeit, in der die Branche mit Herausforderungen wie Fachkräftemangel, sinkenden Beschäftigungszahlen und dem Bedarf an angepassten Arbeitsbedingungen konfrontiert ist. Gleichzeitig werden wichtige Reformen und Innovationsprojekte auf den Weg gebracht.
Wichtige Punkte
- Dr. Bernard Cloëtta wird neuer Vorsitzender der L-GAV Aufsichtskommission.
- Ab 2026 steigen die Mindestlöhne im Gastgewerbe leicht an.
- Neue L-GAV-Projekte fördern Weiterbildung und Sprachkenntnisse.
- Die Hotelfachschule Zürich wird nicht neu lanciert.
- Das Gastgewerbe kämpft mit Fachkräftemangel und strukturellem Wandel.
Bernard Cloëtta bringt umfassende Erfahrung ein
Mit Dr. iur. Bernard Cloëtta erhält die Aufsichtskommission des L-GAV einen erfahrenen Juristen an ihrer Spitze. Er tritt die Nachfolge von Peter Hohl an, der diese Position zwölf Jahre innehatte und der Kommission insgesamt vier Jahrzehnte lang angehörte. Cloëtta war lange Zeit bei GastroSuisse tätig. Dort leitete er die Rechts- und Unternehmensberatung und später den Legal and Personnel Service. Er war auch Mitglied des Exekutivvorstands.
Seine frühere Rolle als Staatsanwalt in Zürich und seine spätere Tätigkeit als Dozent für Arbeitsrecht an der SSS Belvoirpark Zürich unterstreichen seine Expertise. Diese breite Erfahrung ist entscheidend für die kommenden Aufgaben. Der L-GAV ist ein zentrales Instrument für die Arbeitsbedingungen in der Branche. Seine Anpassung erfordert juristisches und branchenspezifisches Wissen.
Wichtige Zahlen
- 1. Januar: Bernard Cloëtta tritt sein Amt an.
- 12 Jahre: Dauer der Amtszeit seines Vorgängers Peter Hohl als Vorsitzender.
- 40 Jahre: Gesamte Zugehörigkeit von Peter Hohl zur Kommission.
Lohnanpassungen und Weiterbildung im Fokus
Die Sozialpartner im Gastgewerbe haben sich auf neue Mindestlöhne geeinigt. Gemäss Landes-Gesamtarbeitsvertrag steigen die Löhne ab 2026 leicht an. Diese Anpassung orientiert sich an der Teuerungsprognose des Seco. Für Arbeitnehmende bedeutet dies eine Stärkung ihrer Kaufkraft. Die Branche reagiert damit auf die wirtschaftlichen Entwicklungen.
Ein weiterer wichtiger Schritt ist das L-GAV-Weiterbildungsprojekt 2026. Es sieht neue Prämien für Betriebe vor. Ziel ist es, mehr Chancen für Quereinsteiger zu schaffen. Jonas Schmid, Leiter Subventionen bei Hotel & Gastro Formation Schweiz, betont die Bedeutung dieser Massnahmen. Sie sollen den Fachkräftemangel bekämpfen und die Attraktivität der Branche steigern.
„Das L-GAV-Weiterbildungsprojekt 2026 stärkt die Branche und bekämpft den Fachkräftemangel“, sagt Jonas Schmid, Leiter Subventionen bei Hotel & Gastro Formation Schweiz.
Sprachkurse und digitale Lernplattformen
Ab 2026 finanziert der L-GAV Fide-Sprachkurse in Englisch. Diese Kurse richten sich an Mitarbeitende im Service und an der Réception. Das Ziel ist, die Kommunikation mit internationalen Gästen zu verbessern. Dies ist besonders wichtig in einem touristisch geprägten Land wie der Schweiz.
Die Basisqualifikation Progresso wird ab 2026 den Theorieteil über eine digitale Lernplattform vermitteln. Diese Lösung soll das Lernen erleichtern. Sie ermöglicht flexibles Lernen, unabhängig von Sprache, Ort und Lerntyp. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Modernisierung der Ausbildung im Gastgewerbe.
Hintergrund zum L-GAV
Der Landes-Gesamtarbeitsvertrag (L-GAV) ist ein zentrales Regelwerk für das Schweizer Gastgewerbe. Er legt Mindeststandards für Arbeitsbedingungen und Löhne fest. Die Sozialpartner, also Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter, verhandeln den Vertrag. Erstmals seit 2017 finden wieder umfassende Verhandlungen statt, um den Vertrag an den Strukturwandel der Branche anzupassen.
Herausforderungen und Innovationen in der Hotellerie
Die Schweizer Hotellerie und Gastronomie stehen unter Druck. Während das Gesundheitswesen boomt, verzeichnet das Gastgewerbe weniger Beschäftigte. Auch der Frauenanteil sinkt und die Löhne gelten oft als tief. Dieser Strukturwandel verändert den Arbeitsmarkt und die Zukunft der Branche erheblich.
Trotz dieser Herausforderungen gibt es positive Entwicklungen. Der «Hotel Innovations»-Award ging an das Waldhuus Bellary in Grindelwald. Ihr Retro-Konzept «Back to the 70s» überzeugte die Jury. Das Projekt zeigte Kreativität, Mut und ein Verständnis für die Bedürfnisse der jungen Generation.
Nachhaltigkeit und Food Waste
Zum internationalen Tag gegen Food Waste zeigte das Schweizer Gastgewerbe Fortschritte. Laut einer Umfrage von GastroSuisse ergreift bereits über die Hälfte der Betriebe konkrete Massnahmen zur Reduktion von Lebensmittelabfällen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz und zur Kostensenkung.
Auch die Unternehmenskultur spielt eine Rolle. Unternehmensberater Ueli Schneider betont, dass nachhaltiger Erfolg ohne kulturelle Verankerung von Führung und Ausrichtung kaum möglich ist. Eine gute Strategie zeigt den Weg, doch erst eine gelebte Kultur macht ihn begehbar. Dies gilt besonders in einer dienstleistungsorientierten Branche.
Zukunft der Bildung im Gastgewerbe
Die Hotelfachschule Zürich wird nicht neu lanciert. Nach monatelanger Prüfung kam GastroSuisse zu dem Schluss, dass ein wirtschaftlich tragfähiger Betrieb nicht möglich ist. Der Unterricht für die aktuellen Studierenden ist bis zum Abschluss gesichert. Diese Entscheidung hat Auswirkungen auf die Bildungslandschaft im Gastgewerbe.
Die Branche muss neue Wege finden, um qualifizierte Fachkräfte zu gewinnen und auszubilden. Die digitalen Lernplattformen und finanzierten Sprachkurse sind Beispiele dafür. Sie zeigen, dass die Branche aktiv an Lösungen arbeitet, um den Herausforderungen des Arbeitsmarktes zu begegnen und attraktiv zu bleiben.
- Waldhuus Bellary: Gewinner des «Hotel Innovations»-Awards.
- 50% der Betriebe: Ergreifen Massnahmen gegen Food Waste.
- Hotelfachschule Zürich: Keine Neulancierung aus wirtschaftlichen Gründen.





