Nach der absage seiner buchlesung bei orell füssli aufgrund von protestandrohungen hat der forensische psychiater frank urbaniok einen neuen veranstaltungsort in basel gefunden. die diskussion über sein umstrittenes buch zur migrationspolitik wird nun mitte dezember in der safran-zunft nachgeholt, was eine debatte über die meinungsfreiheit in der stadt auslöst.
Das Wichtigste in Kürze
- Die geplante Lesung von Frank Urbaniok bei Orell Füssli wurde nach Protestaufrufen linker Gruppen abgesagt.
- Ein neuer Termin wurde in der Safran-Zunft in Basel festgelegt, wo Urbaniok mit dem Publizisten Markus Somm diskutieren wird.
- Der Vorfall hat eine breite Diskussion über Meinungsfreiheit und den Umgang mit kontroversen Themen ausgelöst.
- Urbaniok betont die Notwendigkeit eines offenen Diskurses für eine funktionierende Demokratie.
Absage nach Sicherheitsbedenken
Ursprünglich sollte der renommierte forensische Psychiater Frank Urbaniok im November sein neuestes Buch «Schattenseiten der Migration» in der Basler Filiale der Buchhandlung Orell Füssli vorstellen. Die Veranstaltung wurde jedoch kurzfristig abgesagt, nachdem verschiedene linke Gruppierungen zu Protesten aufgerufen hatten.
Insbesondere auf sozialen Medien wurde zur Demonstration vor der Buchhandlung in der Freien Strasse mobilisiert. Der «Feministische Streik Zürich» bezeichnete Urbaniok in einem Aufruf als «rechtsextremen Psychiater» und forderte dazu auf, sich der Veranstaltung entgegenzustellen.
Orell Füssli zog daraufhin die Konsequenzen. In einer Stellungnahme erklärte die Buchhandlung, die Entscheidung sei «in Abstimmung mit den Sicherheitskräften und gemeinsam mit dem Autor getroffen» worden. Man bedauere den Schritt sehr.
Ein umstrittenes Thema
In seinem Buch «Schattenseiten der Migration. Zahlen, Fakten und Lösungen» analysiert Frank Urbaniok die Migrationspolitik in der Schweiz und Deutschland anhand von Kriminalitätsstatistiken. Er fordert eine «umfassende Migrationswende» und argumentiert, dass die grosse Mehrheit gut integrierter Ausländer ebenfalls unter den Problemen leide, die von einer kleinen Gruppe verursacht würden.
Urbaniok pocht auf Diskussionskultur
Frank Urbaniok selbst äusserte sich kritisch über die Umstände der Absage. Er betonte, dass eine offene Gesellschaft auch kontroverse Debatten aushalten müsse.
«Es ist keine Katastrophe, dass wir mal eine Veranstaltung absagen mussten. Aber wir müssen darauf achten, dass das nicht zu oft passiert. Wir sollten uns nicht von Extremisten diktieren lassen, was für Diskussionen es geben kann», so Urbaniok.
Er wehrt sich gegen eine politische Vereinnahmung seiner Arbeit und positioniert sich klar gegen jede Form von Extremismus. «Ich unterstütze keine ideologischen Grabenkämpfe», erklärte der parteilose Psychiater. Er bedauere, dass insbesondere aus dem linken politischen Lager wenig Bereitschaft bestehe, über das Thema Migration sachlich zu diskutieren.
Für ihn ist der offene Austausch ein zentraler Pfeiler der Demokratie. In diesem Zusammenhang kritisierte er auch Strategien wie die sogenannte «Brandmauer» gegen die AfD in Deutschland, da diese seiner Ansicht nach die gesellschaftliche Polarisierung nur verstärke.
Neuer Anlauf in der Safran-Zunft
Trotz der anfänglichen Rückschläge wird die Buchvorstellung nun nachgeholt. Als neuer Veranstaltungsort wurde die geschichtsträchtige Safran-Zunft im Herzen von Basel gewählt. Statt einer reinen Lesung ist nun ein Gesprächsformat geplant.
Urbaniok wird mit Markus Somm, dem Chefredakteur des rechtsbürgerlichen Magazins «Nebelspalter» und ehemaligen Chefredakteur der «Basler Zeitung», über die Thesen seines Buches diskutieren. Die Organisatoren wollen damit ein Zeichen für die Meinungsfreiheit setzen.
Kritik an der Absage
Dominik Feusi, Redaktor beim «Nebelspalter», warf Orell Füssli im Podcast des Magazins «Hösitum» (Feigheit) vor. Er kündigte an, die Veranstaltung nun selbst durchzuführen, notfalls «selbst mit Polizeischutz». Dies unterstreiche die Wichtigkeit, den öffentlichen Diskurs nicht einschüchtern zu lassen.
Eine Grundsatzfrage für die Stadt
Der Fall Urbaniok wirft grundlegende Fragen für das gesellschaftliche Klima in Basel auf. Wo verläuft die Grenze zwischen legitimem Protest und der Verhinderung von unliebsamen Meinungen? Wie kann sichergestellt werden, dass auch kontroverse, aber nicht strafbare Positionen im öffentlichen Raum diskutiert werden können?
Urbaniok selbst fasst seine Haltung klar zusammen:
«Ich halte die Behauptungen, dass man mit jemandem gar nicht reden darf, für grundfalsch, weil die Demokratie von offenen Diskussionen lebt.»
Die Veranstaltung in der Safran-Zunft wird nun zeigen, ob ein solcher Dialog in Basel möglich ist, ohne von Störungen überschattet zu werden. Sie wird nicht nur als Buchvorstellung, sondern auch als ein Testfall für die lokale Debattenkultur wahrgenommen.





