Die Zukunft des Musical Theaters Basel steht weiterhin in den Sternen. Trotz eines klaren Grossratsbeschlusses vom 4. Juni 2025, der den Erhalt des Theaters vorsah und Pläne für ein Hallenbad kippte, lässt die Ausschreibung für einen neuen Betreiber auf sich warten. Dies löst bei Befürwortern grosse Besorgnis aus.
Wichtige Punkte
- Grossratsbeschluss vom 4. Juni 2025 sichert den Erhalt des Musical Theaters.
- Die Ausschreibung für einen Baurechtsnehmer ist bis heute nicht erfolgt.
- Kritiker befürchten, dass die Verzögerung die Planung internationaler Produktionen erschwert.
- Immobilien Basel-Stadt begründet die Wartezeit mit notwendigen Vorbereitungen und Detailklärungen.
- Zwei Interessenten, Freddy Burger Management und Act Entertainment, stehen bereit.
Verzögerung sorgt für Unmut
Der Verein «Musical Theater Basel lebt» macht seinem Ärger Luft. Toni Kleimann und Luka Takoa, führende Köpfe des Vereins, haben sich in einem offenen Brief direkt an Basler Grossrätinnen und Grossräte gewandt. Sie kritisieren die ausbleibende Ausschreibung scharf.
«Bald sind wir im November 2025, und die Welt wartet immer noch auf eine Ausschreibung für eine Übernahme des Gastspielhauses im Baurecht durch einen Betreiber ab 2027», heisst es in dem Schreiben. Der Vorwurf steht im Raum, jemand würde absichtlich «Sand ins Getriebe streuen».
Faktencheck
- Beschlussdatum: 4. Juni 2025
- Geplante Übernahme: Ab 2027
- Wartezeit auf Ausschreibung: Über 8 Monate seit Ankündigung
Die Sicht der Eventbranche
Die Eventbranche benötigt lange Vorlaufzeiten. Internationale Künstlerensembles und grosse Produktionen planen ihre Tourneen oft Jahre im Voraus. Eine späte Ausschreibung macht es für potenzielle Betreiber schwierig, ein attraktives Programm für Basel zusammenzustellen.
«Acht Monate warten, bis was ausgeschrieben ist, ist einfach zu lang. Das sabotiert die Zukunft des Theaters.»
Zudem sind Renovierungen im Theater geplant. Diese müssen ebenfalls in die Überlegungen der zukünftigen Betreiber einfliessen. Ohne klare Informationen ist eine seriöse Planung kaum möglich.
Antwort von Immobilien Basel-Stadt
Immobilien Basel-Stadt weist den Vorwurf des Kalküls vehement zurück. Mediensprecherin Alena Kress betont, dass kein böser Wille hinter der Verzögerung stecke. Es sei auch im Interesse der Behörde, schnell eine Lösung für die Zukunft der Liegenschaft zu finden.
«Das trifft nicht zu. Herr Kleimann hat uns vorgängig auch nicht kontaktiert», stellt Kress klar. Man sei bestrebt, den gesamten Prozess «schnellstmöglich» durchzuführen. Die Ausschreibung soll noch in diesem Jahr erfolgen, der Vergabeentscheid dann im kommenden Jahr.
Hintergrundinformationen
Das Musical Theater Basel ist ein wichtiger Kulturort für die Region. Es zieht regelmässig nationale und internationale Produktionen an und leistet einen wesentlichen Beitrag zum kulturellen Leben der Stadt. Der Entscheid des Grossrats, das Theater zu erhalten, wurde von vielen Seiten begrüsst.
Komplexe Vorbereitungen nötig
Die Verzögerung begründet Immobilien Basel-Stadt mit der Notwendigkeit einer korrekten und sauberen Durchführung der Ausschreibung. Es müssen detaillierte bauliche Grundlagen aufbereitet und dokumentiert werden. Dies umfasst auch die Klärung von Abhängigkeiten zum Nebengebäude, der heutigen Messehalle 3.
Die technischen Anlagen beider Gebäude sind derzeit noch verbunden. Zukünftige Baurechtsnehmer müssen genau wissen, worauf sie sich einlassen. Diese sorgfältige Vorbereitung sei unerlässlich, um Transparenz und Planungssicherheit zu gewährleisten.
Interesse von potenziellen Betreibern
Trotz der unklaren Situation gibt es bereits konkrete Interessenten. Die derzeitige Betreiberin, Freddy Burger Management, hat ihr Interesse an einer Übernahme signalisiert. Auch die Basler Agentur Act Entertainment zeigt sich offen für die zukünftige Führung des Musical Theaters.
Die Baurechtsabgabe ist für Anfang 2027 vorgesehen. Dies bedeutet, dass die Zeit für eine reibungslose Übergabe und Planung neuer Produktionen langsam knapp wird.
Politische Reaktionen
Die Bedenken erreichen auch die politische Ebene. Der Basler Grossrat Johannes Sieber hat bereits eine Interpellation angekündigt. Er will im November formell nach den Gründen für die Verzögerung und nach konkreten Terminen fragen.
Ihm sei ebenfalls zugetragen worden, dass «es hier nicht zügig genug vorwärtsgeht». Der Druck auf die Verwaltung, den Prozess zu beschleunigen, wächst somit von mehreren Seiten.
Die Stadt Basel steht vor der Aufgabe, das kulturelle Erbe des Musical Theaters zu sichern und gleichzeitig einen transparenten und effizienten Übergabeprozess zu gewährleisten. Die Augen der Öffentlichkeit und der Kulturbranche sind nun auf die kommenden Wochen gerichtet, in denen die lang erwartete Ausschreibung erfolgen soll.





