Die Zahl der Sprengstoffanschläge auf Geldautomaten in der Schweiz ist im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Trotz dieser positiven Entwicklung zeigen sich an den Tatorten immer häufiger Bilder massiver Zerstörung. Die verursachten Sachschäden nehmen dabei zu, was auf eine hohe kriminelle Energie der Tätergruppen hinweist. Die Strafverfolgungsbehörden verzeichnen indes Erfolge bei der Aufklärung und Verurteilung der Täter.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Anzahl der Geldautomatensprengungen in der Schweiz sank 2025 auf einen Tiefststand.
- Trotz weniger Fälle sind die Sachschäden pro Angriff deutlich höher.
- Sprengstoff ist das bevorzugte, aber auch gefährlichste Mittel der Täter.
- Strafverfolgungsbehörden erzielen Erfolge durch internationale Zusammenarbeit.
- Grenzregionen sind besonders häufig von solchen Angriffen betroffen.
Deutlicher Rückgang der Fallzahlen
Im Jahr 2025 verzeichnete die Schweiz einen signifikanten Rückgang bei den Angriffen auf Geldautomaten. Von Januar bis Anfang Dezember wurden lediglich 23 Fälle registriert. Dies stellt einen Minusrekord seit Beginn des Jahrzehnts dar. Zum Vergleich: Im Jahr 2024 gab es noch 48 Anschläge, 2023 waren es 32 und 2022 sogar 57.
Diese Entwicklung ist ein Lichtblick für Banken und Sicherheitsbehörden. Sie zeigt, dass die gemeinsamen Anstrengungen zur Bekämpfung dieser Kriminalität Früchte tragen. Die Bundesanwaltschaft (BA) führt diesen Rückgang auf konkrete Ermittlungsergebnisse und erfolgreiche Verurteilungen zurück.
Statistik der Geldautomaten-Angriffe
- 2025: 23 Fälle (Januar bis Anfang Dezember)
- 2024: 48 Fälle
- 2023: 32 Fälle
- 2022: 57 Fälle
Zunehmende Zerstörung und kriminelle Energie
Trotz der sinkenden Fallzahlen wächst das Ausmass der Zerstörung pro Angriff. Die Eidgenössische Polizei (Fedpol) berichtet von regelmässig massiven Sachschäden an den Tatorten. Ein Beispiel hierfür war die Sprengung einer UBS-Filiale in Laufen im November. Dort zeigte sich der Polizei Basel-Landschaft ein Bild der Verwüstung. Auch an einer Tankstelle in Weil-Friedlingen entstand im Juni 2024 erheblicher Schaden an der Infrastruktur und einem geparkten Fahrzeug.
Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass die Täter immer skrupelloser vorgehen. Sie setzen grosse Mengen an Sprengstoff ein, um an das Bargeld zu gelangen. Sprengstoff gilt als das effizienteste, aber auch gefährlichste Mittel. Das Schadenspotenzial ist enorm, sowohl für die Täter selbst als auch für unbeteiligte Personen in der Nähe.
„An den Tatorten zeigt sich regelmässig ein Bild massiver Zerstörung. Das weist auf eine hohe kriminelle Energie der Täterschaft hin.“
Internationale Tätergruppen und ihre Methoden
Die Art der Angriffe und die Auswahl der Geldautomaten variieren je nach Tätergruppe. Aktuelle Ermittlungen des Fedpol zeigen unterschiedliche Vorgehensweisen:
- Serbische und rumänische Gruppen: Neigen eher zu Gas-Sprengungen.
- Albanische Gruppen: Verwenden bei ihren Angriffen vorwiegend Werkzeuge.
- Rumänische und holländische Gruppen: Führen mehrheitlich Angriffe mit Sprengstoff durch. Einige holländische Gruppen sollen Verbindungen zur organisierten Kriminalität, wie der Mocro-Mafia, haben.
Die Schweiz ist aufgrund ihres dichten Bankomat-Netzes und ihrer geringen Grösse ein attraktives Ziel für diese Banden. Sprengstoffüberfälle auf Geldautomaten sind jedoch auch in Nachbarländern wie Deutschland, Holland, Frankreich und Italien ein bekanntes Problem.
Hintergrund: Grenzlagen als Hotspots
Die Sprengung von Bankautomaten ist insbesondere in Grenzregionen ein verbreitetes Phänomen. Täter können nach der Tat schnell über die Grenze flüchten, was die Verfolgung erschwert. Banken reagieren auf diese Bedrohung, indem sie ihr Filialnetz ausdünnen und technische Aufrüstungen wie Farbpatronen installieren, die das geraubte Geld unbrauchbar machen sollen.
Erfolge der Strafverfolgungsbehörden
Die Bundesanwaltschaft vermeldet positive Entwicklungen bei der Bekämpfung der Automatensprengungen. Die zunehmende Verfolgung, Identifizierung und Verhaftung der Verursacher durch die Strafverfolgungsbehörden zeigt Wirkung. Im vergangenen Jahr wurden rund 100 Strafverfahren in diesem Zusammenhang geführt, eine Zahl, die in den letzten Jahren gestiegen ist.
Im April konnten beispielsweise fünf Personen verurteilt werden. Sie hatten Sprengstoff und andere giftige Gase hergestellt, verborgen und weiterverarbeitet. Die BA warf ihnen vor, den Sprengstoff für einen Angriff auf einen Bankomaten verwenden zu wollen. Im Juli folgten drei weitere Verurteilungen im Zusammenhang mit einer Geldautomatensprengung im Kanton Zürich, die ebenfalls zu erheblichem Sachschaden führte. Diese Urteile sind jedoch noch nicht rechtskräftig.
Ein zentrales Element für den Ermittlungserfolg ist die enge Zusammenarbeit mit ausländischen Partnerbehörden. Eine internationale Aktion im September 2024 führte beispielsweise zur Festnahme mehrerer mutmasslicher Mitglieder einer kriminellen Gruppierung in Frankreich. Diese Gruppe könnte für rund zehn Taten in der Schweiz verantwortlich sein. Diese grenzüberschreitende Kooperation ist entscheidend, um den international agierenden Tätergruppen entgegenzuwirken und die Sicherheit in der Region zu erhöhen.





