Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) haben eine neue Initiative zur Unterstützung von Fahrgästen mit unsichtbaren Behinderungen gestartet. Ab sofort werden kostenlose Schlüsselbänder mit einem Sonnenblumen-Symbol ausgegeben, um Betroffenen diskret und ohne viele Worte Hilfe im öffentlichen Verkehr zu ermöglichen. Die BVB sind damit das erste städtische Verkehrsunternehmen in der Schweiz, das sich dieser internationalen Bewegung anschliesst.
Ein stilles Zeichen für mehr Verständnis
Nicht jede Beeinträchtigung ist auf den ersten Blick erkennbar. Für Menschen, die mit Autismus, chronischen Schmerzen, Angststörungen oder anderen unsichtbaren Krankheiten leben, kann die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel eine grosse Herausforderung sein. Oft zögern sie, um Hilfe zu bitten, aus Angst vor Unverständnis oder der Notwendigkeit, sich ständig erklären zu müssen.
Genau hier setzt das Sonnenblumen-Symbol an. Das Tragen des grünen Schlüsselbandes mit den gelben Sonnenblumen signalisiert dem Personal und anderen Fahrgästen auf eine subtile Weise: „Ich habe eine unsichtbare Behinderung und benötige möglicherweise etwas mehr Zeit, Geduld oder Unterstützung.“
Das Wichtigste in Kürze
- Neues Angebot: Die BVB verteilen kostenlose Schlüsselbänder mit Sonnenblumen-Symbol.
- Zielgruppe: Menschen mit nicht sichtbaren Behinderungen wie Autismus, psychischen oder neurologischen Erkrankungen.
- Zweck: Das Symbol soll diskret auf besondere Bedürfnisse hinweisen und die Notwendigkeit von Erklärungen reduzieren.
- Vorreiterrolle: Die BVB sind das erste städtische ÖV-Unternehmen in der Schweiz, das die Initiative umsetzt.
Wie die Sonnenblume im Alltag hilft
Die Initiative soll den Alltag für Betroffene spürbar erleichtern. Das geschulte Personal der BVB ist darauf vorbereitet, auf Träger des Symbols besonders achtsam zu reagieren. Dies kann bedeuten, dass sie einer Person mehr Zeit beim Ein- oder Aussteigen lassen, Informationen klarer und langsamer wiederholen oder einfach nur geduldig warten, wenn jemand überfordert scheint.
Der grösste Vorteil liegt darin, dass keine mündlichen Erklärungen notwendig sind. Das Symbol spricht für sich und schafft eine Basis für Empathie und rücksichtsvolles Handeln, ohne dass die betroffene Person ihre persönliche Situation offenlegen muss.
Ursprung der "Hidden Disabilities Sunflower"
Die Idee des Sonnenblumen-Symbols stammt ursprünglich aus Grossbritannien. Das Projekt "Hidden Disabilities Sunflower" wurde 2016 am Flughafen London-Gatwick ins Leben gerufen, um das Reisen für Menschen mit unsichtbaren Behinderungen zu verbessern. Die Sonnenblume wurde gewählt, weil sie als fröhliches, positives und leicht wiedererkennbares Symbol gilt. Seither hat sich die Initiative weltweit verbreitet.
Wer kann von dem Symbol profitieren?
Die Bandbreite unsichtbarer Behinderungen ist gross. Das Sonnenblumen-Schlüsselband richtet sich an eine vielfältige Gruppe von Menschen, deren Beeinträchtigungen nicht sofort ersichtlich sind. Dazu gehören unter anderem:
- Menschen im Autismus-Spektrum
- Personen mit Angststörungen oder Depressionen
- Menschen mit chronischen Schmerzerkrankungen
- Personen mit neurologischen Erkrankungen wie ADHS oder Tourette-Syndrom
- Menschen mit eingeschränktem Hör- oder Sehvermögen
- Personen mit Demenz im Frühstadium
Das Ziel des Sonnenblumen-Zeichens ist es, dass Betroffene weniger Erklärungen abgeben müssen und dennoch die Unterstützung erhalten, die sie benötigen.
Ein wachsendes Netzwerk in der Schweiz
Die BVB sind zwar das erste städtische Verkehrsunternehmen, das die Sonnenblumen-Bänder einführt, aber sie sind in der Schweiz nicht allein. Die Initiative gewinnt zunehmend an Bekanntheit und Akzeptanz. So wird das Symbol bereits von den Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) sowie an grossen Flughäfen wie Zürich anerkannt.
Diese wachsende Verbreitung ist entscheidend. Sie sorgt dafür, dass Menschen mit unsichtbaren Behinderungen auf ihren gesamten Reisewegen – vom lokalen Tram bis zum Fernverkehrszug oder Flugzeug – auf ein einheitliches und verständliches System der Unterstützung vertrauen können.
Kostenlos und unkompliziert
Die Schlüsselbänder mit dem Sonnenblumen-Symbol sind für Betroffene kostenlos. Sie können an den Kundenzentren der BVB am Barfüsserplatz und am Badischen Bahnhof bezogen werden. Ein Nachweis der Behinderung ist nicht erforderlich, da die Initiative auf Vertrauen und Freiwilligkeit basiert.
Ein Schritt zu einer inklusiveren Gesellschaft
Die Einführung des Sonnenblumen-Symbols durch die BVB ist mehr als nur eine Serviceleistung. Es ist ein aktiver Beitrag zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit und ein klares Bekenntnis zu einer inklusiveren Gesellschaft in Basel. Indem das Unsichtbare sichtbar gemacht wird, fördert die Initiative das Verständnis und die Rücksichtnahme im öffentlichen Raum.
Für viele Menschen bedeutet dies eine erhebliche Reduzierung von Stress und Angst bei der Nutzung von Bussen und Trams. Es ist ein kleiner, aber wirkungsvoller Schritt, der den Alltag für einen Teil der Bevölkerung einfacher und zugänglicher macht und Basel als eine Stadt positioniert, die sich aktiv um das Wohlbefinden aller ihrer Bürgerinnen und Bürger kümmert.





