In einer überraschenden Entwicklung hat eine Expertenjury die Läckerli der Migros zum Testsieger gekürt. Die Degustation fand in Basel statt, dem Ursprungsort des traditionellen Honiggebäcks. Das Ergebnis stellt die Basler Produzenten vor eine Herausforderung, da der Testsieger aus dem Kanton St. Gallen kommt.
Wichtige Erkenntnisse
- Migros-Läckerli, produziert in Gossau SG, ist Testsieger mit Note 5.2.
- Confiserie Brändli aus Basel erreicht den zweiten Platz mit Note 5.0.
- Bekannte Marke Läckerli Huus liegt im Mittelfeld mit Note 4.7.
- Jakob’s Basler Leckerly bildet das Schlusslicht mit Note 3.4.
- Die Jury bewertete Aussehen, Duft, Aroma/Geschmack und Konsistenz.
Expertenjury bewertet traditionelles Gebäck
Die Degustation wurde in den historischen Seminarräumen des Hotels Krafft in Basel durchgeführt. Eine vierköpfige Jury aus Fachleuten bewertete acht verschiedene Läckerli-Sorten. Diese stammten sowohl von Grossverteilern als auch von lokalen Produzenten. Die Jury arbeitete blind, um eine objektive Bewertung zu gewährleisten. Dies bedeutet, dass die Experten nicht wussten, welche Marke sie gerade verkosteten.
Patrick Zbinden, Sensoriker und Testleiter, beschrieb Läckerli als ein Gebäck mit einem unglaublichen Aromabouquet. Er betonte die historische Bedeutung des Gebäcks. Läckerli sind ein fester Bestandteil des kulinarischen Erbes der Schweiz.
Faktencheck: Die Jury
- Gabi Meier: Basler Bäckerin (dritte Generation), erste Brot-Sommelière der Schweiz.
- Gwenda Bösch: Aktuelle Schweizermeisterin Bäcker-Konditorin (1. Rang Swiss Skills 2025).
- Jorma Signer: Leiter Konditorei des Berner Bäckerei-Unternehmens Reinhard.
- Sanjay Singh: Läckerli-Bäcker der Läckerlimanufaktur Spalentor, Basel.
Testsieger überrascht mit Herkunft
Die Läckerli der Migros erhielten die höchste Bewertung von 5.2. Dies ist bemerkenswert, da sie seit 2016 nicht mehr in der Migros Grossbäckerei Birsfelden, sondern in Gossau SG hergestellt werden. Der Basler Läckerli-Bäcker Sanjay Singh lobte den Testsieger. Er hob die feine Säure und das gut schmeckbare Zitronenaroma hervor. «Im Gesamtpaket ist das ein sehr feines Läckerli», so Singh.
Den zweiten Platz belegte die Stadtbasler Confiserie Brändli mit einer Note von 5.0. Dies zeigt, dass auch lokale Basler Produzenten qualitativ hochwertige Läckerli herstellen. Die Ergebnisse unterstreichen die Vielfalt und Qualität des Angebots auf dem Markt.
«Ein gutes Läckerli kombiniert die Zutaten wie Honig, Mandeln, Lebkuchengewürze und Orangeat oder Zitronat zu einem Gesamtwerk.»
Gwenda Bösch, Schweizermeisterin Bäcker-Konditorin
Bekannte Marken im Mittelfeld
Die Läckerli der bekannten Marke «Läckerli Huus» erreichten eine Note von 4.7. Branchenkenner berichten, dass das Läckerli Huus auch für andere Bäckereien und Eigenmarken von Grossverteilern produziert. Dies könnte die Ähnlichkeit der Bewertungen erklären.
Die Läckerli von Aldi und Coop schnitten mit Noten von 4.7 beziehungsweise 4.6 ähnlich ab. Diese Ergebnisse liegen sehr nahe an der Bewertung des «Basler Läckerli Original» vom Läckerli Huus. Dies deutet auf eine starke Konkurrenz und eine hohe Standardisierung in der Produktion hin.
So wurde getestet
Die Jury bewertete die Läckerli anhand von vier Hauptkriterien:
- Aroma / Geschmack
- Aussehen
- Duft
- Konsistenz
Jedes Läckerli wurde anonymisiert präsentiert, um Vorurteile auszuschliessen. Die Experten konzentrierten sich ausschliesslich auf die sensorischen Eindrücke.
Schlusslicht mit zu flachem Aroma
Die Läckerli von Jakob’s Basler Leckerly erhielten die niedrigste Bewertung von 3.4. Die Jury kritisierte, dass diese Läckerli zu süss waren und zu wenig Aromen von kandierten Früchten und Gewürzen aufwiesen. Dies führte zu einem „zu flachen Aroma“.
Jakob’s Basler Leckerly nahm Stellung zu diesem Ergebnis. Das Unternehmen erklärte, dass es sich bewusst an historischen Basler Läckerli-Rezepturen orientiere. Diese Rezepte verwenden einen hohen Anteil an Bienenhonig. Der charakteristische Honiggeschmack werde von ihren Kunden besonders geschätzt. Zudem spiele die persönliche Vorliebe bei der Beurteilung eine grosse Rolle.
Geschmack ist individuell
Gabi Meier, die erste Brot-Sommelière der Schweiz, betonte die grossen Unterschiede zwischen den verschiedenen Läckerli. Sie empfiehlt Läckerli-Fans, selbst zu degustieren. «Es ist auch eine Liebhabersache, ob man die Zitrusnoten sehr gerne hat oder ob man lieber die Gewürznoten mit Kardamom und Zimt mag», erklärte sie.
Auch die Kombination von Läckerli ist vielfältig. Man kann sie mit Champagner geniessen, zu einem Orangensalat servieren oder sogar als Brotersatz beim Fondue verwenden. Dies zeigt die Vielseitigkeit des traditionellen Gebäcks.





