Die Basler Gastronomieszene erlebt im Jahr 2026 eine umfassende Transformation. Zahlreiche etablierte Lokale schliessen ihre Türen, während neue Konzepte und Betreiber die Bühne betreten. Diese Dynamik prägt das Stadtbild und bietet sowohl Herausforderungen als auch frische Impulse für Einheimische und Besucher. Von Fine Dining bis zum Quartierbeiz – kaum ein Segment bleibt unberührt.
Wichtige Änderungen im Überblick
- Spitzenkoch Flavio Fermi verlässt den Ackermannshof, neue Leitung übernimmt.
- Die Brasserie Baselstab schliesst nach über 70 Jahren am Marktplatz.
- Das Schloss Binningen erhält neue Pächter und wird saniert.
- Mehrere Neueröffnungen im St. Johann und Kleinbasel, darunter Negishi und Ghost Tacos.
- Sanierungen betreffen unter anderem die Riehentorhalle und das Schützenhaus.
Rochade in der gehobenen Gastronomie
Die Basler Gourmet-Szene ist in Bewegung. Eine der grössten Nachrichten war der Abschied von Sternekoch Flavio Fermi vom Ackermannshof. Nach fünf erfolgreichen Jahren beendete Fermi seine Tätigkeit Ende 2025. Seine Nachfolge treten Duc Tan Arrigoni und Maria Vittoria Mascioli an, die zuvor im Schloss Binningen tätig waren.
Der Wechsel im Ackermannshof war nicht ohne Turbulenzen. Die Eigentümer hatten den Pachtvertrag ursprünglich nicht verlängern wollen, stimmten dann aber doch noch bis 2027 zu. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich Fermi jedoch bereits für andere Projekte entschieden. Seine zukünftigen Pläne sind noch nicht öffentlich bekannt.
Faktencheck Ackermannshof
- Ehemaliger Koch: Flavio Fermi
- Neue Leitung seit 2026: Duc Tan Arrigoni und Maria Vittoria Mascioli
- Vorherige Wirkungsstätte der neuen Leitung: Schloss Binningen
Neuanfang im Schloss Binningen
Auch das Schloss Binningen erfährt bedeutende Veränderungen. Die bisherige Pächterin Barbara Buser hat im Dezember die Schlüssel übergeben. Neue Pächter sind nun Pablo Sütterlin und Geschäftsführer Thibault Wendling. Eine umfassende Sanierung des Restaurants und des Schlosses ist bis Juni geplant. Das Hotel und das Bistro im Schlosspark bleiben währenddessen geöffnet und bieten bereits unter neuer Leitung kulinarische Angebote an.
Ein weiterer Abschied in Binningen betrifft das beliebte «Kittipon’s Finest Thai Cuisine». Nach über 23 Jahren schloss Betreiber Kittipon Kerdchuen sein Restaurant am Kronenplatz. Der 52-Jährige möchte mehr Zeit mit seinen Eltern in seiner Heimat verbringen. Die Nachricht löste bei Stammgästen Bedauern aus. Wer die Nachfolge antritt und welches Konzept folgen wird, ist noch nicht bekannt.
Das St. Johann im gastronomischen Wandel
Das St. Johanns-Quartier erlebt ebenfalls einen Aufbruch. An der Elsässerstrasse, in direkter Nachbarschaft zur Metzgerei Pipo, öffnet in Kürze ein neues Café mit eigener Rösterei. Hier sollen besondere Kaffeespezialitäten und diverse Gebäcke angeboten werden.
Entlang der Elsässerstrasse, in Richtung Johanniterbrücke, erwartet die Basler Bevölkerung bald «BagelNo5». Das neue Lokal in der St. Johanns-Vorstadt wird neben Kaffee und Matcha-Spezialitäten auch Bagel anbieten.
Hintergrund: Negishi Expansion
Negishi ist eine bekannte Sushi-Restaurantkette der Familie Wiesner Gastronomie AG. Sie betreibt bereits mehrere Standorte in Basel. Die Expansion an eine so prominente Lage zeigt das Vertrauen in den Basler Markt und die Beliebtheit des Konzepts.
An prominenter Lage, direkt am Kopf der Johanniterbrücke, wo 20 Jahre lang das Don Pincho beheimatet war, entsteht ein grosszügiges Negishi-Restaurant. Aktuell laufen dort Umbauarbeiten für das neue Sushi-Lokal. Die Betreiber planen zudem eine Sonnenterrasse an der Rheinseite der Fassade, wofür noch eine Ausnahmegenehmigung erforderlich ist.
Umwälzungen in der Feldbergstrasse
Auch auf der Kleinbasler Seite der Johanniterbrücke, insbesondere in der Feldbergstrasse, stehen Veränderungen an. Die stadtbekannte Friends Bar schliesst im April 2026 ihre Türen. Die Bar war für ihre langen Öffnungszeiten bekannt und oft die letzte Anlaufstelle für Nachtschwärmer. Berichte deuten auf zunehmende Konflikte des Betreibers Hidir Yesilibas mit Hauseigentümern und Nachbarn wegen Lärm und Graffiti hin. Die Räumlichkeiten sollen zukünftig nicht mehr als Bar genutzt werden.
„Die Schliessung der Friends Bar ist das Ende einer Ära für viele Basler Nachtschwärmer.“
Nur wenige Hausnummern weiter, an der Feldbergstrasse 51, steht eine Neueröffnung bevor: Ab Februar zieht Ghost Tacos ein. Das Angebot umfasst sogenannte French Tacos. Zuvor hatte dort das Dönerlokal Agora Market nach nur einem Jahr geschlossen. Davor war das Lokal als Angels' Share bekannt.
Die Kleinbasler Gastro-Meile erlebt weitere Wechsel: Der Bar-Club Rouine hat per Ende des Jahres den Besitzer gewechselt. Betreiber Hischem Rouine, Sohn der Gastronomin Caroline Rouine (Marina-Bar), hat das Lokal abgegeben. Viele kennen es noch unter dem früheren Namen Terrorsamba. Die Assamo Gastro GmbH von Ismail Korkut, bekannt durch seine vegetarischen ZaZaa-Restaurants, übernimmt den Betrieb. Geplant ist, das Rouine in eine Quartierbeiz umzuwandeln. Korkut äusserte den Wunsch, wieder ein Lokal im Kleinbasel zu führen, nachdem er einst die «Kleine Freiheit» am Erasmusplatz betrieben hatte.
Das Kasernen-Areal mit zwei Fragezeichen
Die Vergabe des seit Jahren geplanten Restaurants im Kasernenhauptbau, das sich noch im Rohbau befindet, zieht sich in die Länge. Nachdem Gastronomin Cécile Grieder ursprünglich den Zuschlag erhalten hatte, folgte im Sommer 2025 aus politischen Gründen eine dritte Ausschreibung. Das Finanzdepartement hatte angekündigt, die Vergabe bis Ende 2025 abzuschliessen. Eine offizielle Kommunikation des Kantons wird jedoch erst im Januar erwartet. Sowohl Cécile Grieder als auch die Wyniger Gruppe hatten Interesse an einer Bewerbung bekundet.
Ein weiteres Fragezeichen auf dem Kasernenareal betrifft die Kabar. Die Kaserne Basel kündigte im Herbst an, die unabhängig geführte Kabar nach fast 20 Jahren neu ausschreiben zu wollen. Für das bestehende Team um Jeanny Messerli kam die Kündigung per Ende 2026 unerwartet. Messerli prüft nun Optionen, darunter eine Einsprache. Die Kaserne Basel plant, ab 2027 ein neues Konzept in der Kabar einzuführen.
Kleinbasler Altstadt im Zeichen von Sanierungen
Auch in der Kleinbasler Altstadt gibt es Veränderungen. Die Riehentorhalle, besonders bei Fasnachts-Formationen beliebt, schloss per Ende 2025 ihre Türen. Wirt Nasir Ince konnte seinen Wunsch, noch für den Vogel Gryff und die Fasnacht 2026 offen zu bleiben, nicht erfüllen. Die Liegenschaft wird generalsaniert, was bis zu einem Jahr dauern könnte. Ob danach wieder ein Restaurant im Erdgeschoss einzieht, ist noch unklar. Ince sucht derweil eine neue gastronomische Aufgabe, möglichst im Kleinbasel.
In der Utengasse weht frischer Wind in der Blaupause. Das Konzept der kultigen Bar bleibt unverändert, doch hinter den Kulissen gibt es eine Stabsübergabe. Die Mitgründer Thierry Dunkel und Julia Schär übergeben die Zügel an die langjährigen Mitarbeitenden Gabriel Aeschbach und Béla Keller, die seit dem 1. Januar für den Betrieb verantwortlich sind.
Der McDonald’s an der Greifengasse soll gegen Ende des Jahres wiedereröffnen. Lizenznehmer Alain Schaub bestätigte, dass die Liegenschaftseigentümerin Axa das Gebäude grundlegend saniert. Eine Sprecherin rechnet mit einer Bauzeit von rund 18 Monaten.
In der ehemaligen Löwenapotheke, die Ende 2024 nach 148 Jahren schloss, entsteht ein Kebab-Imbiss. Die Pläne für ein Take-Away-Lokal mit Pizza und Döner gehen aus einem Baugesuch der Eigentümer hervor. Die historische Löwenskulptur wird das Lokal weiterhin zieren.
Gleich um die Ecke, an der Rheingasse 3, kommt es erneut zu einem Wirte-Wechsel. Nach dem kurzen Gastspiel des Landgangs, der sich nicht etablieren konnte, heisst das neue Lokal nun INE. Samuel und Johanna Ine Baumgartner sind die neuen Betriebs- und Bewilligungsinhaber.
Zäsur am Marktplatz
Im Grossbasel, am Marktplatz, endet ein Stück Basler Gastronomiegeschichte. Nach über 70 Jahren Betrieb schliesst die Brasserie Baselstab, beziehungsweise das Restaurant Mövenpick, nach dem Fasnachtsmittwoch Ende Februar. Grund ist eine Generalsanierung des denkmalgeschützten Gebäudes. Eine Wiedereröffnung des Traditionslokals ist nicht geplant. Der Vertrag mit der Besitzerin PSP Swiss Property wurde in gegenseitigem Einvernehmen nicht verlängert. Die Dauer der Bauarbeiten und die künftige Nutzung der Gewerbeflächen sind noch unbekannt.
Brasserie Baselstab – Zahlen und Fakten
- Betriebsjahre: Über 70 Jahre
- Schliessung: Ende Februar (nach Fasnachtsmittwoch)
- Grund: Generalsanierung des denkmalgeschützten Gebäudes
Eine andere Baustelle in der Basler Innenstadt soll im Frühjahr abgeschlossen werden: die ehemalige Hauptpost an der Falkner- und Freien Strasse. Neben Büroflächen zieht eine Nespresso Boutique ein. Es gibt zudem Gerüchte über ein Starbucks-Angebot in den benachbarten Geschäften. Bestätigt wurde dies von der amerikanischen Kaffeehauskette nicht, aber auch nicht dementiert. Ein gastronomisches Angebot wird es demnach geben, jedoch keine Rooftop-Bar, wie ursprünglich angedacht. Die obersten Geschosse bleiben den Mitarbeitenden der kantonalen Verwaltung vorbehalten.
Grossbasler Innenstadt hat einiges in der Pipeline
An der Falknerstrasse hat das frühere Il Favoriti einem neuen Café namens La Sprezza Platz gemacht. Bei zwei ehemaligen Kult-Betrieben nahe des Barfüsserplatzes tut sich ebenfalls einiges. Das seit fünf Jahren leerstehende Des Arts wird saniert. Die Zurich Versicherung als Eigentümerin hat Ende 2025 ein Baugesuch für die gesamte Liegenschaft eingereicht, mit Kosten von 12 Millionen Franken. Die Versicherung sucht derzeit einen künftigen Pächter.
Dasselbe gilt für das Manger & Boire. Das Traditionslokal in der Gerbergasse, das nach der coronabedingten Schliessung 2020 versteigert wurde, steht nun wieder zum Verkauf. Eine Genossenschaft hatte versucht, das Restaurant mit einem idealistischen Konzept wiederzubeleben, doch im Herbst ging das Geld aus.
Am Gemsberg, gegenüber dem Löwenzorn, könnte es bald eine Neueröffnung geben. Der Basler Gastronom Markuss Engeler plant dort das «Kurt und Klärli». Tagsüber ein Café, abends eine Wein- und Rumbar. Die ursprünglich für Ende 2025 geplante Eröffnung verzögerte sich durch eine Einsprache. Nun könnte es im Februar losgehen. Engeler hatte zuvor 13 Jahre lang das Zum Kuss im De Wette-Park aufgebaut.
Wechsel abseits des Zentrums
Auch ausserhalb des Stadtzentrums gibt es Veränderungen. Im Restaurant Zum Tell neben dem Spalentor kommt es im Februar zu einem Pächterwechsel. Andy Cavegn, der zehn Jahre lang im Gasthaus wirtete, geht in Pension und übergibt die Traditionsbeiz an Moritz Staehelin. Das mittelalterliche Haus wird im Januar sanft renoviert. Die Traditionsbeiz wurde letztes Jahr von Stammgästen in Form einer Genossenschaft vor einer möglichen Schliessung bewahrt.
Das traditionsreiche Schützenhaus an der Schützenmattstrasse wird ebenfalls saniert. Die erste Etappe der Renovation läuft von Januar bis März, die gesamte Sanierung soll bis Ende Oktober abgeschlossen sein. Ab April sorgt ein Pop-up-Restaurant im Garten, auf der Terrasse und im Gartensaal für einen Weiterbetrieb während der Bauarbeiten. Die Berest-Gruppe ist für die Gastronomie zuständig.
Ab April wird auch das Parkcafé am Birskopf unter dem neuen Namen «Galizi» von den Basler Gastronomen Lothar Linsmayer und Ayrton Rodriguez geführt. Sie setzten sich in einer Ausschreibung des Kantons gegen neun Mitbewerbende durch. Das «Galizi» legt Wert auf regionale und saisonale Speisen, eine No-Food-Waste-Strategie und ein kulturelles Angebot mit Konzerten, Comedy und Lesungen.
Ein weiterer Wechsel, der bereits im Januar erfolgte, betrifft das indische Restaurant Mandir und das Hotel Spalenbrunnen. Nach der Schliessung an der Spalenvorstadt aufgrund eines nicht verlängerten Mietvertrags hat das Mandir am 10. Januar 2026 an der Vogesenstrasse 121 im Volta Zentrum beim Bahnhof St. Johann wiedereröffnet. Die ehemalige Liegenschaft an der Spalenvorstadt wird in Appartements umgewandelt.





