Ein 54-jähriger Basler muss sich bald vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verantworten. Ihm wird vorgeworfen, im Januar 2024 versucht zu haben, seine ehemalige Geliebte im süddeutschen Lörrach mit einer Handgranate zu töten. Die Bundesanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord und weitere Delikte vor. Der Vorfall, der sich mitten in einem Wohngebiet ereignete, hätte weitaus schlimmere Folgen haben können.
Wichtige Fakten
- Ein 54-jähriger Basler steht wegen versuchten Mordes vor Gericht.
- Er soll eine Handgranate am Auto seiner Ex-Geliebten angebracht haben.
- Die Granate explodierte in Lörrach, die Frau blieb glücklicherweise unverletzt.
- Der Mann war den Behörden bereits bekannt und zeigte typische Risikofaktoren für Femizide.
- Die Bundesanwaltschaft fordert eine stationäre therapeutische Massnahme.
Ein Anschlag mit weitreichenden Folgen
Der Beschuldigte, ein Schweizer Staatsbürger, soll die Handgranate am Abend des 31. Januar 2024 an einem Auto in Lörrach befestigt haben. Das Fahrzeug gehörte seiner ehemaligen Geliebten, mit der er zuvor eine kurze Affäre hatte. Gemäss den Ermittlungen brachte er die Splittergranate hinter dem Rückspiegel der Beifahrertür an und entfernte den Sicherungsstift. Er wusste, dass die Granate bei einer Erschütterung detonieren würde.
Kurz nach 21 Uhr stieg die Frau in ihr Auto. Die Handgranate fiel zu Boden und explodierte wenige Sekunden später. Nur durch einen Zufall rollte die Granate vor der Detonation unter das Fahrzeug. Dies bewahrte die Frau vor tödlichen Splitterverletzungen und schirmte sie vor der Druckwelle ab. Sie konnte das brennende Auto rechtzeitig verlassen.
Faktencheck: Femizide in der Schweiz
Im Durchschnitt wird in der Schweiz alle zwei Wochen eine Frau von einem nahestehenden Angehörigen oder ehemaligen Partner getötet. Die Zahl der Femizide ist im laufenden Jahr auf 27 gestiegen, wie das Rechercheprojekt Stop Femizid dokumentiert.
Die Ermittlungen und die Anklage
Zwei Tage nach dem Vorfall nahm die Polizei den mutmasslichen Täter in seiner Wohnung in Basel fest. Er befindet sich seither in Haft. Die Ermittlungen wurden von den deutschen Behörden an die Bundesanwaltschaft übergeben, die den Fall unter dem Namen «Knall DE» führte. Im August erhob die Bundesanwaltschaft Anklage wegen versuchten Mordes und weiterer Delikte.
Der Mann soll den Umgang mit Handgranaten während seines Militärdienstes in der Schweiz gelernt haben. Die Bundesanwaltschaft bezeichnet sein Vorgehen als «besondere Skrupellosigkeit». Er habe in Kauf genommen, dass weitere Personen verletzt oder getötet werden könnten. Zum Zeitpunkt der Explosion befanden sich 21 Personen in unmittelbarer Nähe des Tatorts in ihren Wohnungen.
Vorgeschichte: Stalking und Provokationen
Der Basler war den Behörden bereits vor der Tat bekannt. In der Anklageschrift ist skizziert, wie er die Frau über Monate hinweg belästigte. Wenige Wochen nach dem Ende der Affäre im Frühling 2023 soll er einen Brief am Auto des Ehemannes der Frau angebracht haben. Dieser enthielt Details der Affäre und intime Fotos, auf denen er sein Gesicht unkenntlich gemacht hatte.
Zudem fuhr er nach hohem Alkoholkonsum Auto, beschädigte mehrere Fahrzeuge und beging Fahrerflucht. Dies führte zum Entzug seines Führerscheins. Trotzdem war er weiterhin als Chauffeur tätig, sogar bei einer Carreise. Ab Sommer 2023 fuhr er wiederholt zum Wohnort der Frau, manchmal sogar mehrmals am selben Tag. Er verfolgte sie auch an anderen Orten, darunter ihren Arbeitsplatz, ein Fitnesscenter und ein Wellnessbad.
Hintergrund: Risikofaktoren bei Femiziden
Studien des Eidgenössischen Gleichstellungsbüros zeigen, dass Tötungen innerhalb von Partnerschaften oft von Trennungen, häuslicher Gewalt, Kontroll- und Eifersuchtsverhalten sowie Stalking durch den Täter begleitet werden. Weitere Risikofaktoren sind der Zugang zu Waffen, Alkoholkonsum und psychische Erkrankungen. Diese Faktoren scheinen auch in diesem Fall eine Rolle gespielt zu haben.
Überwachung mittels Apple AirTag
Um die Frau zu verfolgen, versteckte der Mann einige Wochen vor dem Anschlag einen Apple AirTag hinter dem Nummernschild ihres Autos. Mit diesem Ortungsgerät konnte er den Aufenthaltsort seines Opfers nachvollziehen. Die Bundesanwaltschaft schreibt in der Anklageschrift, er habe die Orte in einem «Logbuch» notiert. Bei der Durchsuchung seiner Wohnung und seines Autos fanden die Ermittler den Splint einer Handgranate sowie den AirTag, den der Basler vor der Tat in Lörrach vom Wagen entfernt hatte.
Gerichtsverhandlung und politische Reaktionen
Die Bundesanwaltschaft beantragt für den Beschuldigten eine stationäre therapeutische Massnahme. Weitere Anträge wird sie während der Gerichtsverhandlung am 11. Dezember stellen. Der Verteidiger des Angeklagten äussert sich derzeit nicht zum Fall.
Das Thema häusliche Gewalt und Femizide hat auch die Schweizer Politik erreicht. Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider lancierte kürzlich eine nationale Präventionskampagne zur Verbesserung des Opferschutzes. Sie betonte die Notwendigkeit konkreter Investitionen:
"Man kann nicht mehr einfach sagen, es ist das Problem der Frauen und es mit Eigenverantwortung abtun. Wir brauchen jetzt konkrete Investitionen."
Ihre Partei, die SP, hatte bereits im Sommer eine Volksinitiative für besseren Schutz von Frauen angekündigt. Diese Entwicklungen zeigen, dass die Gesellschaft und Politik verstärkt auf die Prävention von Gewalt gegen Frauen und den Schutz der Opfer abzielen.





