Das Kantonsspital Bruderholz steht vor einer ungewissen Zukunft. Während die Baselbieter Regierung über einen einzigen Spitalstandort diskutiert, präsentiert eine private Initiative eine visionäre Idee: Die Umwandlung des Spitals in ein nachhaltiges «Netto-Null-Quartier» mit bis zu 420 Wohnungen. Dieses Konzept soll eine öffentliche Debatte über die Nachnutzung des prominenten Areals anstossen.
Wichtigste Punkte
- Die Regierung des Kantons Baselland prüft die Zusammenlegung der Spitalstandorte Bruderholz und Liestal.
- Ein Verein schlägt vor, das Bruderholzspital in ein energieautarkes Wohnquartier umzuwandeln.
- Das Projekt könnte bis zu 420 Wohnungen schaffen und 21 Millionen kg CO₂eq einsparen.
- Das Konzept sieht eine Mischung aus Wohn- und Arbeitsformen sowie Gemeinschaftsflächen vor.
- Die Initiative fordert eine breite Diskussion über die Zukunft des Areals.
Zukunft des Kantonsspitals Baselland ungewiss
Die Regierung des Kantons Baselland hat im Herbst 2024 eine wichtige politische Diskussion angestossen. Es geht um die Frage, ob die beiden Spitalstandorte Bruderholz und Liestal langfristig sinnvoll sind. Im Rahmen des Rahmenkonzepts «Gesundheit BL 2030» wurde eine neue Variante vorgestellt: ein zentraler Spitalneubau im mittleren Baselbiet.
Eine Machbarkeitsstudie hat inzwischen «Salina Raurica Ost» als bevorzugten Standort gegenüber Pratteln («Bredella Ost») identifiziert. Der Regierungsrat will seinen abschliessenden Entscheid Ende des ersten Quartals 2026 fällen. Danach wird ein entsprechender Antrag an den Landrat gehen. Eine finale politische Entscheidung über einen oder zwei Spitalstandorte wird noch dieses Jahr erwartet.
Hintergrund der Diskussion
Die Diskussion um die Spitalstandorte in Baselland ist nicht neu. Es geht um Effizienz, Kosten und die optimale Gesundheitsversorgung für die Bevölkerung. Eine Zusammenlegung der Spitäler könnte erhebliche Einsparungen und eine modernere Infrastruktur ermöglichen. Gleichzeitig stellt sich die Frage der Nachnutzung der bestehenden, oft grossen und gut gelegenen Areale.
Vision eines «Netto-Null-Quartiers»
In dieser Phase der Unsicherheit hat der Verein «Lebensraum Bruderholz» eine kühne Vision für das sanierungsbedürftige Bruderholzspital präsentiert. Unter der Leitung des Architekten Dominique Salathé wurde ein Rahmenkonzept für eine Umnutzung erarbeitet. Die Idee ist, aus dem bisherigen «Heilraum» einen «Lebensraum» zu schaffen.
Das Konzept sieht ein radikal nachhaltiges und zukunftsgerichtetes Quartier vor den Toren der Stadt Basel vor. Es orientiert sich am erfolgreichen Umbau des Felix-Platter-Spitals in Basel. Das Bruderholzspital, erbaut zwischen 1969 und 1973 von Suter + Suter, bietet durch sein rationelles Tragwerk grosses Potenzial für eine Transformation.
«Es ist Zeit, den Diskurs zu öffnen. Für ein radikal nachhaltiges, zukunftsgerichtetes Quartier vor den Toren der Stadt – vom Heilraum zum Lebensraum.»
Architektonisches Potenzial und neue Nutzungen
Die Studie des Vereins betont das architektonische Potenzial des Gebäudes. Die grosszügigen Eingangshallen könnten zu Gemeinschaftsräumen, Kindertagesstätten, Ateliers oder Markthallen umfunktioniert werden. Die Vision ist eine Atmosphäre, die an die Lobby eines Grandhotels erinnert.
Das Areal soll wie eine kleine Stadt funktionieren. Es bietet Raum für unterschiedlichste Wohn- und Arbeitsformen. Das Quartier soll dicht, sozial gemischt, ökologisch und ökonomisch sinnvoll sein. Ziel ist ein energieautarkes und ressourcenschonendes Projekt mit hoher Lebensqualität, entwickelt aus dem bestehenden Bestand.
Interessanter Fakt
- Das Felix-Platter-Spital in Basel wurde bereits erfolgreich umgenutzt und dient als Referenzmodell.
- Das Bruderholzspital wurde zwischen 1969 und 1973 erbaut und hat ein stabiles Tragwerk, das die Umnutzung erleichtert.
Nachhaltigkeit im Fokus: CO₂-Einsparungen und Energieeffizienz
Die Umnutzung des Bruderholzspitals ist besonders aus ökologischer Sicht sinnvoll. Ein grosser Teil des in der Struktur gebundenen CO₂ bliebe erhalten. Die Studie liefert dazu konkrete Zahlen. Im Vergleich zu einem Neubau könnten durch die Umnutzung rund 21 Millionen kg CO₂eq eingespart werden. Dies entspricht ungefähr 10.500 Transatlantikflügen.
Der jährliche CO₂-Fussabdruck pro Person wäre bei diesem Umbau dreimal tiefer als bei einem Neubau. Mit solchen Umbauten lassen sich die ambitionierten Grenzwerte gemäss dem «SIA Klimapfad» fast ausschliesslich erreichen. Das Projekt strebt den Status eines «Netto-Null-Projekts» an, das Vorbildcharakter haben könnte.
Wohnen im ikonografischen Bettenhochhaus
Auch das ikonografische Bettenhochhaus wurde architektonisch fundiert analysiert. Seine Struktur mit einem tragenden Kern und versetzten Fassaden bietet gute Voraussetzungen für hochwertiges Wohnen. Die Seitentrakte sind durch Betonschotten statisch stabil.
Ob die Erdbebensicherheit nach aktuellen Vorgaben gewährleistet werden kann, müsste in der weiteren Planung geprüft werden. Die gebäudetechnischen Anforderungen an einen Wohnungsbau sind jedoch geringer als an einen Spitalbetrieb. Die Umnutzung macht im Sinne des Bestandserhalts definitiv Sinn.
Das Kantonsspital Baselland weist auf Anfrage darauf hin, dass die Zimmer aktuell grösstenteils keine eigenen Nasszellen haben. Ein Umbau hätte eine massive Einschränkung der Bettenzahl zur Folge.
Einladung zur öffentlichen Diskussion
Die Studie des Vereins «Lebensraum Bruderholz» ist kein fertiges Projekt. Sie ist ein erster Entwurf, eine Skizze. Ihr Hauptziel ist es, eine öffentliche Diskussion anzustossen. Die Initiative lädt Politik, Fachwelt und die breite Öffentlichkeit ein, über die Zukunft des Bruderholzspitals nachzudenken.
Die Vision reicht bis zu einem genossenschaftlichen Leuchtturmprojekt, das preisgünstiges Wohnen auf dem Bruderholz ermöglichen könnte. Es ist eine Einladung zum Träumen und zum gemeinsamen Entwickeln neuer Ideen für ein wichtiges Areal in der Region Basel.
Was ist ein «Netto-Null-Quartier»?
Ein «Netto-Null-Quartier» oder «Nullenergiequartier» ist ein Stadtteil, der über das Jahr gesehen genauso viel Energie erzeugt, wie er verbraucht. Dies wird oft durch eine Kombination aus energieeffizientem Bauen, erneuerbaren Energien (z.B. Solaranlagen) und intelligentem Energiemanagement erreicht. Das Ziel ist, den CO₂-Fussabdruck des Quartiers auf ein Minimum zu reduzieren.





