Die Evangelisch-reformierte Kirche Basel-Stadt (ERK BS) startet ein Pilotprojekt, um der zunehmenden Einsamkeit älterer Menschen entgegenzuwirken. Die Synode hat am Mittwoch 84'000 Franken für dieses Vorhaben genehmigt. Ziel ist es, Seniorinnen und Senioren, die sich isoliert fühlen, wieder stärker in die Gemeinschaft einzubinden.
Wichtige Punkte
- Die ERK BS investiert 84'000 Franken in ein Pilotprojekt gegen Alterseinsamkeit.
- Rund ein Viertel der über 65-Jährigen in der Schweiz fühlt sich einsam.
- Drei Unterprojekte in Basel West, bei der Église Française und in Riehen sollen neue Ansätze testen.
- Die Synode genehmigte zudem das Budget 2026 und eine Schenkung des Kirchenarchivs an die Universitätsbibliothek.
Die stille Epidemie der Einsamkeit
Einsamkeit ist ein weit verbreitetes Problem, das besonders ältere Menschen betrifft. Der Altersmonitor von Pro Senectute Schweiz zeigt: Fast ein Viertel der über 65-Jährigen leidet zeitweise unter Einsamkeit. Mit zunehmendem Alter nehmen die sozialen Kontakte oft ab. Freunde und Familie sterben, und die Mobilität kann eingeschränkt sein.
Der Trend, ältere Menschen länger zu Hause zu pflegen statt in Institutionen, birgt ebenfalls Risiken. Obwohl der Grundsatz «ambulant vor stationär» viele Vorteile hat, kann er die soziale Isolation verstärken. Die ERK BS reagiert nun auf diese Entwicklung mit gezielten Massnahmen.
Faktencheck Einsamkeit im Alter
- 25% der über 65-Jährigen sind von Einsamkeit betroffen.
- Soziale Isolation kann die Gesundheit negativ beeinflussen.
- Der Wunsch nach Begleitung ist oft vorhanden, aber schwer zu vermitteln.
Ein Pilotprojekt mit drei Säulen
Das Projekt «Kirchliche Altersarbeit gegen Alterseinsamkeit» gliedert sich in drei Unterprojekte. Sie sollen innovative Wege aufzeigen, wie man schwer erreichbare ältere Menschen wieder ins soziale Gefüge integrieren kann. Die Synode bewilligte dafür einen Betrag von 84'000 Franken.
Die Initiativen konzentrieren sich auf verschiedene Quartiere und Gemeinschaften in Basel. Jedes Unterprojekt hat einen spezifischen Fokus, um unterschiedliche Bedürfnisse abzudecken und Erfahrungen zu sammeln.
Basel West: Besuchsdienst neu aufstellen
In der Kirchgemeinde Basel West, die rund 500 Mitglieder zählt, ist der Besuchsdienst in den letzten Jahren stark geschrumpft. Waren es 2023 noch neun Freiwillige, sind es 2024 nur noch vier. Zudem ist es oft schwierig, Menschen zu finden, die einen Besuchsdienst in Anspruch nehmen möchten.
Das Projekt in Basel West sieht eine breit angelegte Bedarfsanalyse vor. Es soll ermittelt werden, wie gross der tatsächliche Bedarf an Begleitung ist und wie viele Menschen bereit wären, solche Besuche zu übernehmen. Professionelle Unterstützung beim Aufbau neuer Besuchspaare und Schulungen für Freiwillige sind ebenfalls geplant. Dies soll die Qualität und Nachhaltigkeit des Dienstes sichern.
«Wir müssen neue Wege finden, um die Menschen zu erreichen, die sich am meisten isoliert fühlen. Ein starker Besuchsdienst ist dabei ein entscheidender Faktor.»
Église Française: Unterstützung für eine kleine Gemeinschaft
Auch die evangelisch-reformierte Église Française Basel, eine kleinere Gemeinschaft mit etwa 250 Haushalten, möchte ihren Besuchsdienst ausbauen. Obwohl der finanzielle Bedarf hier geringer ist, bleibt das Grundkonzept gleich: den Bedarf klären, neue Freiwillige gewinnen und die bestehenden Strukturen stärken. Die Herausforderungen in kleineren Gemeinschaften können ähnlich sein, wenn auch im Umfang reduziert.
Hintergrund: Die Rolle der Kirche
Kirchen spielen traditionell eine wichtige Rolle im sozialen Gefüge, besonders in der Altersarbeit. Sie bieten oft Gemeinschaftsangebote und Unterstützung für Bedürftige. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen und sich wandelnder gesellschaftlicher Bedürfnisse müssen auch kirchliche Institutionen ihre Angebote anpassen und neu denken.
Riehen: Begegnungsort statt Rückzugsort
Im Gemeinschaftshaus Moosrain in Riehen entsteht ein offenes Tagesstrukturangebot. Es richtet sich an Menschen, die vereinsamen oder sich scheuen, institutionelle Angebote zu nutzen. Hier sollen niederschwellige Gruppenaktivitäten stattfinden, die unter Anleitung soziale Kontakte fördern. Das Ziel ist es, einen attraktiven Begegnungsort zu schaffen, der dem sozialen Rückzug entgegenwirkt.
Solche Angebote sind wichtig, um Barrieren abzubauen und Menschen den Wiedereinstieg in soziale Aktivitäten zu erleichtern. Der Fokus liegt auf ungezwungenen Treffen und gemeinsamen Erlebnissen.
Weitere wichtige Beschlüsse der Synode
Neben dem Pilotprojekt gegen Alterseinsamkeit hat die Synode der Evangelisch-reformierten Kirche Basel-Stadt weitere wichtige Entscheidungen getroffen. Das Budget für das Jahr 2026 wurde genehmigt. Trotz anhaltend sinkender Mitgliederzahlen rechnet das Budget mit einem positiven Ertrag von knapp 92'000 Franken.
Dies ist laut einer Mitteilung auf ein straffes Kostenmanagement und ausserordentlich gute Steuererträge zurückzuführen. Die Kirche zeigt damit, dass sie auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten handlungsfähig bleibt.
Kirchenarchiv geht an die Universitätsbibliothek
Ein weiterer bedeutender Beschluss betrifft das historische Kirchenarchiv und die wertvolle Sammlung Falkeisen. Die ERK BS schenkt diese Dokumente der Universitätsbibliothek Basel. Beide Sammlungen befinden sich bereits seit Jahren in der Bibliothek. Sie gehörten aber bisher noch der Kirche.
Die Schenkung stellt sicher, dass die empfindlichen historischen Unterlagen fachgerecht aufbewahrt werden können. Die Universitätsbibliothek verfügt über die notwendige Expertise und Infrastruktur. Zudem erleichtert die Schenkung die Erschliessung und wissenschaftliche Auswertung der Dokumente. Dies macht die wertvollen Inhalte für Forscher und die Öffentlichkeit besser zugänglich.
- Budget 2026: Knapp 92'000 Franken positiver Ertrag erwartet.
- Kirchenarchiv: Schenkung an die Universitätsbibliothek Basel.
- Sammlung Falkeisen: Wertvolle Handschriften und Grafiken werden professionell gesichert.
Die Entscheidungen der Synode zeigen ein Engagement für soziale Verantwortung und den Erhalt des kulturellen Erbes. Die Kirche in Basel-Stadt bleibt ein wichtiger Akteur in der Gesellschaft, sowohl im sozialen als auch im kulturellen Bereich.





