Ein weiteres Stück Basler Nachtleben verschwindet: Die «Friends Bar» an der Feldbergstrasse im Kleinbasel wird im April 2026 ihre Türen endgültig schliessen. Das Lokal, bekannt für seine späten Öffnungszeiten bis fünf Uhr morgens, war für viele Nachtschwärmer die letzte Anlaufstelle. Die Schliessung löst bei Stammgästen und Anwohnern gemischte Gefühle aus und entfacht erneut die Debatte über das sich wandelnde Gesicht des Quartiers.
Der Grund für das Aus ist ein nicht verlängerter Mietvertrag. Betreiber Hidir Yesilibas muss nach jahrelangem Betrieb aufgeben. Als Gründe werden Lärmbeschwerden von Anwohnern sowie Unstimmigkeiten wegen Graffitis im Gebäude genannt. Die Nachricht vom Ende der Bar, die als sozialer Schmelztiegel für Jung und Alt galt, hinterlässt eine spürbare Lücke.
Das Wichtigste in Kürze
- Die «Friends Bar» im Kleinbasel schliesst im April 2026 den Betrieb.
- Grund ist die Nichtverlängerung des Mietvertrags nach Beschwerden von Anwohnern.
- Das Lokal war eine Institution, die täglich bis 5 Uhr morgens geöffnet hatte.
- Die Schliessung reiht sich ein in eine Serie von Verlusten bekannter Basler Ausgehlokale.
Ein Treffpunkt für alle Generationen
Wer nach Mitternacht im Kleinbasel noch einen Ort suchte, an dem das Licht brannte, fand ihn in der «Friends Bar». Sie war mehr als nur eine Kneipe; sie war ein soziales Auffangbecken, ein Ort, an dem die unterschiedlichsten Menschen zusammenkamen. Arbeiter nach der Spätschicht, Studenten nach einer langen Lernnacht oder Partygänger, die noch nicht nach Hause wollten – sie alle fanden hier einen Platz.
Besonders die Jukebox der Bar war legendär. Sie sorgte für eine musikalische Untermalung, die so vielfältig war wie das Publikum selbst. Martin, ein Bewohner aus dem Quartier, erinnert sich an die besondere Atmosphäre: «Wenn wir da waren, haben wir immer alle aufgesammelt, die alleine waren. Das war immer recht lustig.» Dieses Gefühl der Gemeinschaft machte die Bar zu einem festen Bestandteil des sozialen Gefüges im Matthäusquartier.
Die letzte Bastion der Nacht
Die Öffnungszeiten bis fünf Uhr morgens waren das Markenzeichen der «Friends Bar». In einer Stadt, in der viele Lokale um Mitternacht oder ein Uhr schliessen, bot sie eine seltene Alternative. Für viele war sie der verlässliche letzte Stopp, der «Schlummertrunk» nach einer durchzechten Nacht. Diese Nische füllte die Bar über Jahre hinweg erfolgreich aus und wurde so zu einer Institution.
Corinne aus dem Matthäusquartier drückt aus, was viele denken: «Es sind grosse Verluste. Die Lokale gehören zu Basel dazu.» Ihr Bedauern steht stellvertretend für die Sorge, dass mit solchen Schliessungen ein Teil der urbanen Identität Basels verloren geht.
Das Basler Nachtleben im Wandel
Die Schliessung der «Friends Bar» ist kein Einzelfall. In den letzten Jahren mussten sich die Basler von mehreren bekannten Lokalen verabschieden. Das «Humbug», das «Rouine» und das «Sääli» sind nur einige Beispiele für Orte, die das kulturelle und soziale Leben der Stadt geprägt haben und nun nicht mehr existieren. Diese Entwicklung führt zu einer spürbaren Verknappung von Ausgehmöglichkeiten, insbesondere für jene, die alternative und weniger kommerzielle Treffpunkte schätzen.
Konflikt zwischen Nachtleben und Anwohnern
Die Gründe für das Ende der «Friends Bar» sind symptomatisch für einen wachsenden Konflikt in vielen städtischen Quartieren. Lärmbeschwerden von Anwohnern sind ein häufiger Auslöser für das Aus von Gastronomiebetrieben. Im Fall der Feldbergstrasse führten wiederholte Klagen über den lauten Barbetrieb dazu, dass der Mietvertrag nicht verlängert wurde. Betreiber Hidir Yesilibas äusserte sich gegenüber Medien schmerzvoll über die Entscheidung: «Es tut mir weh.»
Interessanterweise teilen nicht alle Nachbarn diese Ansicht. Michi, der Inhaber des Plattenladens «Plattfon Records» direkt gegenüber, sieht die Situation gelassener. «Ich finde, solche Läden braucht es. Mich hat der Lärm nie gestört», erklärt er. Seine Aussage zeigt, dass die Wahrnehmung von Lärm und urbanem Leben subjektiv ist und nicht alle Anwohner das pulsierende Leben vor ihrer Haustür als störend empfinden.
Ein Blick auf die Fakten
- Standort: Feldbergstrasse, Kleinbasel
- Öffnungszeiten: Täglich von 20:00 bis 05:00 Uhr
- Schliessungsgrund: Nicht verlängerter Mietvertrag aufgrund von Lärmbeschwerden
- Geplantes Ende: April 2026
Was bleibt und was kommt?
Die Schliessung der «Friends Bar» wirft Fragen über die Zukunft des Kleinbasels und des Basler Nachtlebens im Allgemeinen auf. Einerseits gibt es die Sorge vor einer zunehmenden «Stilllegung» der Quartiere, in denen Wohnen und Ausgehen immer schwieriger miteinander zu vereinbaren sind. Andererseits sehen einige die Entwicklung auch als natürlichen Wandel.
Ein Passant vor der Matthäuskirche kommentierte die Situation pragmatisch: «Besonders im Kleinbasel gibt es immer weniger Lokale. Das merkt man schon. Aber es kommen bestimmt neue.» Diese Hoffnung auf Neuanfänge ist ein wiederkehrendes Thema in Diskussionen über Stadtentwicklung. Ob neue Lokale jedoch den gleichen unprätentiösen Charme und die soziale Funktion der «Friends Bar» übernehmen können, bleibt abzuwarten.
«Früher war ich mehr dort als jetzt. Früher gingen auch viele Freunde hin.»
Das Ende einer Ära ist oft mit Nostalgie verbunden. Für viele Baslerinnen und Basler ist die «Friends Bar» ein Ort voller Erinnerungen an lange Nächte, gute Gespräche und unerwartete Begegnungen. Ihr Verschwinden markiert nicht nur das Ende eines Geschäfts, sondern auch den Verlust eines sozialen Raumes, der über Jahre hinweg das Gesicht des Quartiers mitgeprägt hat. Die Lücke, die sie hinterlässt, wird schwer zu füllen sein.





